Unterschriften sammeln (Aktion 33)

Anlass: Immer wenn Sie Entscheidungsträger dazu bringen wollen, etwas gegen Missstände zu unternehmen oder falsche Entscheidungen zu korrigieren. Da Sie durch
persönliche Sammlung von Unterschriften kaum sehr hohe Unterzeichnerzahlen erreichen werden, sind sie vor allem bei Entscheidungen von lokaler Bedeutung geeignet. Beispielsweise gegen den Verkauf von preiswerten Genossenschaftswohnungen, zur Einrichtung einer Rampe im Bahnhof für Mütter mit Kinderwägen, zum Verzicht auf den
Einsatz von Laubbläsern. Es ist wenig sinnvoll, eine eigene Unterschriftenaktion »Rettet den Regenwald« zu starten und an den Umweltminister zu schicken!

Aktion: Bereiten Sie einen kurzen und konsensfähig formulierten Text vor, der sich an den zu beeinflussenden Entscheidungsträger richtet. Beschreiben Sie das Problem, und
schlagen Sie einen Lösungsweg vor. Der Text endet mit einer Forderung (»Die Unterzeichnenden fordern …«), was der Entscheidungsträger (Kommune, Land, eventuell Unternehmen) tun soll. Diese Forderung muss nicht unbedingt sehr konkret sein, schließlich sind Sie normaler Bürger, kein Fachmann. Die Angabe eines Handlungszieles »… zu handeln, damit dieser unhaltbare Zustand bis Ende des Jahres beseitigt wird« sollte aber mindestens dabei sein. Unter diesen Text setzen Sie sechs Spalten mit Datum, Vor- und Nachnamen, Straße, Postleitzahl, Ort und Unterschrift. Heften Sie
weitere numerierte Folgeseiten für Unterschriften an, aufdenen aber zumindest die Hauptforderung noch einmal oben wiedergeben ist, damit alle Unterzeichnenden wissen, was sie unterschreiben. Am besten, Sie tragen sich exemplarisch gleich auf der ersten Seite an erster Stelle ein. Eine Überschrift in großen Lettern sollte das Anliegen kurz kennzeichnen.
Wie erreichen Sie möglichst viele Unterschriften? Dazu gibt es mehrere Wege. Man kann in kleineren Geschäften, in Friseursalons, bei Ärzten – überall dort, wo Menschen war-
ten – fragen, ob man die Unterschriftenliste auslegen oder an einer Schnur samt Stift aufhängen darf. Aufwendiger, aber ergebnisreicher ist es, sich samt Stift und Klemmbrett an einen frequentierten Ort zu stellen und Passanten um Unterschriften zu bitten. Am besten mit einem umgehängten Plakat, das kurz auf das Anliegen aufmerksam macht. Dabei aktiv auf Leute zugehen und ohne große Umschweife zur Sache kommen (»Ich wohne auch hier und bin gegen die geplante Fällung von Bäumen zugunsten von Parkplätzen. Bitte unterschreiben Sie unsere Forderung an den Bürgermeister …«). Bei Themen mit kleinräumiger Bedeutung ist es ergebnisreich, aber mühselig, von Haustür zu Haustür zu gehen und um Unterschriften zu bitten. Man kann die erste Seite der Unterschriftenliste auch in Briefkästen einwerfen. Diese müsste dann mit einer gesonderten Bitte um Unterschrift und um die Abgabe zum Beispiel in einem Geschäft
versehen sein. Übrigens: Auch Kinder können Aufrufe unterschreiben!
Damit möglichst viele Menschen von der Aktion erfahren, schickt man eine Woche vor Beginn eine Pressemitteilung an örtliche Medien, in der das Anliegen und die Orte genannt
156 Anleitungen zu 50 Aktionen des Bürgerprotests werden, wo unterschrieben werden kann. Treffen Sie beim Unterschriftensammeln auf jemanden, der von der Aktion
begeistert ist, könnten Sie ihn vielleicht zum Mitmachen bewegen. Günstig ist es, wenn Sie Prominente finden, die unterschreiben. Das kann man am Ende des Einleitungstextes
hervorheben (»Zu den ersten Unterzeichnern der Forderung zählen …«).
Wenn Sie meinen, genügend Unterschriften gesammelt zu haben – weniger als 100 Unterschriften machen im allgemeinen wenig Eindruck –, heißt es, die Originale dem Adressaten zu übergeben (Sie dürfen die Unterschriftenlisten aus Datenschutzgründen nicht kopieren oder speichern). Optimal wäre eine persönliche Übergabe durch Sie an einen Vertreter der entscheidenden Institution (zum Beispiel an den Bürgermeister, notfalls an den Pressereferenten). Inszenieren Sie die Übergabe als Event für die örtlichen Medien, damit Ihr Anliegen auf diese Weise weitere öffentliche Aufmerksamkeit bekommt. Beispielsweise könnte man die Listen zusammenkleben und spektakulär vor dem Bürger-
meister entrollen. Auch die Anwesenheit möglichst vieler Mitstreiter gibt ein schönes Bild. Schlagen Sie der Pressestelle der betreffenden Institution (zum Beispiel Gemeinde-
verwaltung) ein solches Event vor. Vergessen Sie nicht, die Anwesenheit örtlicher Medienvertreter zu erwähnen, dann ist die Bereitschaft zu einer persönlichen Entgegennahme größer. Wenn Ablauf, Termin und Ort feststehen, informieren Sie alle örtlichen Medien (Tageszeitungen, Stadtteilblätter, Lokalredaktionen des Rundfunks und Fernsehens). Falls der betroffene Entscheidungsträger eine persönliche Übergabe ablehnt, ziehen Sie möglichst mit Mitstreitern zum angegebenen Termin der »Übergabe« vor den Eingang der betreffenden Institution, und nun haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder machen Sie eine Show und rufen nach dem Entscheidungsträger (»Herr XY, wir möchten Ihnen Forderungen übergeben …«), oder Sie werfen die Unterschriften-
listen eine nach der anderen in den Briefkasten. Auch das liefert öffentliche Aufmerksamkeit, vor allem, wenn es am Rathaus der Stadt stattfindet. Auf jeden Fall sollten Sie die Übergabe fotografieren oder filmen für eine weitere Pressemitteilung und für YouTube!

Wirkung: Kann groß sein, wenn man, gemessen an der Zahl der örtlich betroffenen Bürgerinnen und Bürger, viele Unterschriften gesammelt hat. Politiker stellen sich gern als
Volksvertreter dar, die sich einem dokumentierten Bürgerwillen anschließen. Selbst wenn es sich dabei nur um folgenlose Worte handelt, kann es für die Erreichung des Akti-
onszieles nützlich sein. Politiker verwenden Unterschriftenaktionen auch, um mit ihnen Politik zu machen, etwa in ihrer Partei oder gegenüber Verwaltungen.

Aufwand: Beträchtlich. Schon das Sammeln der Unterschriften ist zeitraubend, eine gute Inszenierung der Übergabe will vorbereitet sein.

Risiken: Gering. Jeder hat das Recht, ohne Anmeldung und Genehmigung Unterschriften zu sammeln. Nur in Schulen, Bahnhöfen sowie auf Privatgrundstücken ist eine Genehmigung einzuholen. Bei Verstößen droht ein Platzverweis, Schädigungsklagen sind nicht vorstellbar.

Spaßfaktor: Das Sammeln ist mühselig und erfordert Ausdauer. Die Übergabe ist dann die Krönung, vor allem wenn man sie zum Event macht.

4 Gedanken zu “Unterschriften sammeln (Aktion 33)

  1. Guten Tag / Abend !

    Ich Aaron O, Wohnhaft in 1020 Wien würde gerne eine Unterschriftaktion starten im Zweck !!!

    “Das verbot von Mitnahme eines Alkohol ab 0.05% Alkoholgehalt sowie der Verkauf solcher Alkohol am Bahnhof Praterstern”

    Daher meine Frage, könnten sie mir bei Mail ein Unterschrift Aktion (Kopie) zusenden lassen wie es z.B aussehen muss das es Gültig ist ?!
    und könnten sie mir auch eine Information geben Wo am Besten der Platz wär um so eine Aktion zu Starten ?!

    Noch was, wer ist für den Platz zuständig wo die Kreuzung ,,Praterstern/Praterstraße zuständig ?!

    Oder darf man da ohne Genehmigung stehen und Sammeln (Ampel Insel) ?!

    Darf man z.B bei Ärzte sowie auf einem fixen Stand gleichzeitig Unterschriften für je die selbe Aktion ?!

    Bitte um Rückmeldung, wollte in Dez/Jan die Aktion Starten …. Da es leider zu viele Akrassive Alkoholiger am Praterstern sind :(

  2. Guten Tag, haben Sie vorgefertigte Unterschriftenlisten zur Hand und könnten mir diese zuschicken?
    Ich möchte mich dafür einsetzen, dass die Rotdornallee in Rösrath-Hoffnungsthal mit Kindergarten, Schule und Schwimmbad verkehrssicherer wird…und dafür Unterschriften sammeln!!!

    Vielen Dank!

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