Guerilla Gardening gegen hässliche öffentliche Räume! (Aktion 47)

Anlass: Alle öffentlichen Räume, die unansehnlich und ungepflegt sind: zubetonierte oder totalasphaltierte Plätze, vergammelte Winkel, ungepflegte Rabatten, lieblos gestalte Vorgärten vor öffentlichen Gebäuden. So wie zerbrochene Fenster signalisieren »Hier bleibt Vandalismus ungestraft« und zu weiteren Zerstörungen einladen, so signalisieren verunstaltete öffentliche Räume: »Hier haben sich Menschen daran gewöhnt, dass das Gemeinwesen verkommt.« Die Hässlichkeit der Städte ist ein Zeichen für politische Resignation, schlimmer noch, sie fördert sie vielleicht sogar!

Aktion: Durch subversives Anpflanzen von Blumen, Beeten, Gewächsen aller Art – warum nicht auch von Gemüse? – können Sie hässliche öffentliche Räume schöner machen! Kleine Fleckchen Erde finden sich fast überall, notfalls erweitern Sie eine Erdstelle ein bisschen (»Unter dem Pflaster ist die Erde …«). Falls keine Erde da ist oder Ihnen das Risiko beim Entsiegeln von Gehwegplatten zu hoch ist, können Hochbeete angelegt werden, beispielsweise in Form von Kisten, flachgelegter alter Kleiderschränke und so weiter. Pflanzen Sie robuste, Trockenheit aushaltende Pflanzen wie Ringelblumen,
Strauchrosen oder Efeu oder säen Sie (am besten vor Regenfällen). Schilder oder gesprayte Schriften wie »Unsere Stadt soll nicht verkommen!«, »Dies ist ein Guerillagarten!« oder »Grün statt Betonwüste« erklären den Sinn der Aktion.
Gut wäre es, wenn es Ihnen gelingt, Bewohner einzubeziehen und zu gelegentlichem Gießen, Hacken und Düngen zu gewinnen. Auf belebten Plätzen lässt es sich kaum in Ruhe und unbemerkt gärtnern. Hier können »Saatbomben« zum Einsatz kommen: Päckchen aus dünnem Papier, in denen Erde und verschiedene Samen gemischt sind und die man auf Leerflächen, in leere Tröge oder über Zäune in Vorgärten werfen kann. Der Phantasie sind beim wilden Gärtnern keine Grenzen gesetzt! Anregungen vom Pionier des Guerilla Gardening, dem Londoner Richard Reynolds, finden Sie unter
www.youtube.com (Suchwort Guerilla Gardening). Wenn Sie ein größeres Guerilla-Gardening-Projekt vorhaben, dann lohnt es sich durchaus, mit der Gartenbaubehörde Kontakt aufzunehmen. In Zeiten knapper Kassen sind die Kommunen oft froh über bürgerschaftliches Engagement und unterstützen Sie vielleicht mit Erde, Baumaterial und mit Rat und Tat.

Wirkung: Passanten erfreut der Anblick von Blumen in trostloser Umgebung, sie merken: Hier ist Anwohnern ihr öffentlicher Wohnraum nicht egal, was sie vielleicht ihrerseits zu einem pfleglicheren Verhalten animiert, zum Beispiel nicht auf Rabatten zu parken, den Hund dort nicht Gassi zu führen. Wichtiger ist die politische Botschaft: Wir geben den
öffentlichen Raum nicht auf, wir nehmen die Untätigkeit der Kommune nicht einfach hin!

Aufwand: Mittel bis hoch. Relativ zeitaufwendig, da es mit einer einzigen Aktion nicht getan ist. Sie müssen den ein- mal angelegten Garten immer wieder besuchen, pflegen,
düngen, gießen, eventuell nachpflanzen, es sei denn, Sie gewinnen Anlieger zur Pflege; auch kosten Pflanzen und Samen etwas Geld.

Risiken: Guerilla Gardening ist nicht völlig legal. Sie brauchen strenggenommen eine Genehmigung, um in öffentlichen Räumen etwas anzupflanzen. Bisher ist aber noch kein Fall bekanntgeworden, dass ein Guerillagärtner angezeigt worden wäre. Schlimmstenfalls wird man Sie auffordern, Ihre Anpflanzung wieder zu entfernen. Dann haben Sie die Chance, Öffentlichkeit zu mobilisieren, zum Beispiel indem Sie vor Ihrem Garten einen kleinen Sitzstreik organisieren (natürlich mit Presseankündigung)!

Spaßfaktor: Sehr hoch, vor allem wenn Sie gern gärtnern! Befriedigend auch, wenn Sie später die gewachsenen und blühenden Pflanzen sehen – es war Ihr Werk!

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