Melden Sie irreführende Produktangaben an Lebensmittelklarheit.de (Aktion 11)

Anlass: Haben Sie sich auch schon einmal auf eine Zwiebelmettwurst gefreut, deren Zwiebelringe auf der Verpackung so lecker aussahen, die dann aber keine Zwiebeln enthielt? Haben Sie es auch schon erlebt, dass Ihnen auf einer Kartoffelchippackung »Jetzt noch mehr Inhalt!« versprochen wurde, ein Nachwiegen aber kein oder nur ein sehr kleines Mehr ergab? Nach einer Studie der Universität Göttingen aus dem Jahre 2011 fühlten sich bis zu 70 Prozent aller Verbraucher von der Lebensmittelindustrie »chronisch getäuscht «. Es hat lange Kämpfe mit der Lobby der Lebensmittelindustrie gekostet, bis die Verbraucherzentralen mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz das Internetportal Lebensmittelklarheit.de einrichten konnten, und der jüngste Beschluss zu seiner Weiterführung kam gegen den Widerstand der FDP zustande. Jetzt kann sich dort jeder beschweren, wenn er sich durch Angaben auf einer Lebensmittelverpackung »getäuscht« fühlt oder auch nur »verärgert« ist.

Aktion: Gehen Sie auf www.Lebensmittelklarheit.de und klicken Sie auf der Startseite »Zur Rubrik Produkte« und dann »Produkte melden«. Dort geben Sie Ihren Namen samt
Anschrift und E-Mail-Adresse an und schildern Ihre Beschwerde. Danach kommt der etwas aufwendigere Teil: Sie müssen Ihre Beschwerde belegen. Verpackungsangaben sind zu fotografi eren oder zu scannen und per E-Mail im Anhang mitzuschicken; desgleichen irreführende Preisangaben am Verkaufsort samt Kassenzettel oder zu beanstandende Angaben in Werbeprospekten.
Ihre Meldung setzt eine Maschinerie in Gang: Lebensmittelklarheit. de überprüft Ihre Beschwerde und bittet den Hersteller um Stellungnahme. Dann wird Ihre Meldung samt einer Einschätzung von Lebensmittelklarheit.de ohne Angabe Ihres Namens veröffentlicht. Beispielsweise erscheint ein farbiges Bild des Produktes »Büsumer Feinkost Lousiana Flusskrebs« mit der Meldung: »Das Flusskrebsfl eisch kommt aus China, nicht aus der Nordsee.«

Wirkung: Beträchtlich! Ein Jahr nach Beginn hatte Lebensmittelklarheit.de bereits 300.000 Besucher pro Monat, dreimal so viel wie erwartet. Die Beschwerden zeigten Wirkung. Zwar beschweren sich Unternehmen notorisch, wenn sie im Portal »an den Pranger« gestellt werden, obwohl sie doch nichts Illegales getan hätten. Aber sie reagieren. Nach Angaben aus dem Verbraucherschutzministerium veränderten die Unternehmen das beanstandete Detail in 65 Prozent der Beschwerdefälle. Auch wenn die korrigierten Verpackungsangaben oft weiterhin Verschleierungen und Irreführungen enthalten, sorgen Sie mit Ihrer kleinen Aktion für ein etwas besseres Gleichgewicht zwischen Verbrauchern und Lebensmittelkonzernen. Sie sollten Ihre Meldung als Teil eines permanenten, immer weitergehenden Kampfes sehen.

Aufwand: Nicht wenig! Sammeln von Belegen ist fast detektivische Arbeit, und man muss fit im Scannen und in der digitalen Verarbeitung von Fotos sein.

Risiken: Keine. Ihre Beschwerde wird anonym veröffentlicht. Lebensmittelklarheit.de sichert Ihnen zu, Ihre persönlichen Daten nicht an Dritte weiterzugeben, es sei denn, es
kommt zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Dann dienen persönliche Daten aber lediglich der Beweisführung, nicht der Anklage gegen Sie. Firmen, die sich durch die Veröffentlichung geschädigt sehen, müssten gegen Lebensmittelklarheit. de als veröffentlichende Instanz klagen, nicht gegen Sie. Laut telefonischen Auskünften bei Lebensmittelklarheit. de ist es bislang noch nicht zu Prozessen gekommen.

Spaßfaktor: Macht es Ihnen Spaß, Detektiv zu spielen? Dann sollten Sie Aktivist auf Lebensmittelklarheit.de werden! Ihr täglicher Einkauf oder das Lesen von Werbeprospekten werden spannend!