Adbusting: Plakate umfunktionieren (Aktion 35)

Anlass Wer Geld hat, kann mit Großplakaten die öffentlichen Räume vollmüllen und seine Botschaften in die Köpfe der Menschen träufeln. Wer kein Geld hat, kann diese Plakate kreativ umgestalten, ihre Botschaften konterkarieren, lächerlich machen, sogar für eigene Botschaften umfunktionieren. Das geht bei kommerziellen Werbeplakaten ebenso wie bei politischen Plakaten. Wahlplakate sind gefundene Fressen für »Adbuster« (advertising = Werbung, busting = kaputtmachen). Auch die tägliche Manipulation durch die Werbung selbst kann man durch umfunktionierte Werbeplakate sichtbar machen.

Aktion Zuerst gilt es, Werbeplakate zu studieren und sich Gedanken über mögliche textliche und graphische Veränderungen zu machen. Dazu braucht es Kreativität und Einfälle. Am besten, Sie veranstalten ein Brainstorming mit Bekannten. Gute Beispiele wirken anregend, beispielsweise die Umfunktionierung der H & M-Kleiderwerbung: Neben den Magermodels auf den Plakaten wurde der Zusatz »39,6 Kilogramm« geschrieben, unter das Firmenlogo H & M »Hager & Mager«. Oft eignen sich gemalte Sprechblasen. Die heile Welt des familiären Kaffeegenusses (»Mmh, das duftet«) kann man stören, indem man beim Partner per Sprechblase hinzufügt »Ja, Kinderarbeit ist einfach lecker …«. Die Agenda-Werbekampagne der rot-grünen Bundesregierung wurde Objekt zahlreicher Adbuster-Attacken. Man konnte elegant aus »Mehr Jobs« »Mehr Billig-Jobs« machen und aus »Familie und Beruf « »Familie und drei Berufe« und so weiter. Weitere Anregungen zum Adbusting von Plakaten finden Sie unter www.
konsumpf.de.

Haben Sie sinnvolle und leicht anbringbare Veränderungen gefunden, heißt es, sehr breite Filzschreiber zu kaufen und mit einer Leiter loszuziehen – Plakate sind oft hoch angebracht. Die Veränderungen sollten nicht unbedingt zu professionell ausfallen, damit man sie als nachträgliche Veränderung wahrnimmt.

Wirkung Adbusting wirkt vor allem durch das Moment der Überraschung, des Witzes, des frechen Umfunktionierens. Die Symbole des Gegners werden nicht zerstört, sondern in einen anderen Kontext gestellt und mit neuem Sinn versehen. Plumpe Veränderungen – etwa in Form von Hakenkreuzen auf Wahlkampfplakaten oder von Verunstaltungen der Gesichter von Politikern – erzielen diese Wirkung nicht. Sie erzeugen unter Umständen sogar Mitleidseffekte. Die kleine, aber treffende Veränderung der großen Plakate profi tiert darüber hinaus von der David-gegen-Goliath-Assoziation.

Aufwand Gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis, da man großflächige und gut gemachte Werbeträger bereits vorfindet, nicht mehr selbst herstellen und kleben muss. Allerdings wirkt Adbusting nur, wenn die Veränderungen die ursprüngliche Botschaft sinnvoll und auffallend verändern. Daher ist die Vorbereitungsphase fast aufwendiger als das Anbringen der Veränderung selbst.

Risiko Wie beim Sprayen von Wandparolen oder beim Plakatekleben beschädigen Sie fremdes Eigentum, was zu Schadensersatzforderungen führen kann. Ein etwaiger Nutzungsausfall durch Umfunktionieren eines Plakats ist vom Geschädigten vor Gericht kaum nachweisbar und bezifferbar.

Spassfaktor Hoch, vor allem beim Brainstorming über mögliche Veränderungen (kicher, kicher!). Auch die Befriedigung über raffiniert veränderte Plakate kann groß sein, wenn man später an ihnen vorbeikommt. Die Aktion selbst bietet den üblichen Nervenkitzel wie bei allen Aktionen etwas außerhalb der Legalität.