Veröffentlichen Sie Ihren Protest in Leserbriefen (Aktion 21)

Anlass Anlass für einen Leserbrief ist typischerweise ein Beitrag in einer Tages- oder Wochenzeitung beziehungsweise in ihrer Onlineausgabe. Sie haben durch einen Leserbrief die Möglichkeit, eine falsche oder einseitige Berichterstattung zu kritisieren, sie zu ergänzen oder ihr zuzustimmen. Die Leserbriefabteilungen der Presse verstehen sich oft als eine Art Anwalt der Leserschaft. Auch der Deutsche Presserat empfiehlt seinen Mitgliedern die Ergänzung der Berichterstattung durch Leserbriefe. Übrigens: An Radio oder Fernsehsender kann man Zuschauerbriefe ebenfalls schicken!

Aktion Wenn Sie ein Artikel zur Stellungnahme motiviert hat, heißt es, sich schnell ans Schreiben zu machen. Spätestens drei Tage nach Erscheinen sollte ein Leserbrief in der Redaktion eintreffen, damit er rechtzeitig in die Planung der Leserbriefseite kommt. Die Chancen einer Veröffentlichung Ihres Briefes steigen, wenn Sie folgende Dinge beherzigen:

  • Leserbriefe sollten nicht mehr als eine halbe Seite umfassen. Je kürzer sie sind, desto weniger muss die Redaktion kürzen. Das erspart Arbeit und macht Ihren Brief sympathisch!
  • Äußern Sie nicht allgemeine, landläufi ge Meinungen, sondern neue, originelle Aspekte!
  • Zeitungen fühlen sich besonders verpflichtet, einen Leserbrief zu veröffentlichen, wenn er falsche Fakten korrigiert oder neue präsentiert.
  • Wenn Sie im Namen einer thematisch betroffenen Organisation sprechen können, erhöht sich die Aufmerksamkeit der Leserbriefredaktion, eventuell auch der Leserinnen und Leser.
  • Leserbriefe mit geschliffenen Formulierungen werden bevorzugt.
  • Auf jeden Fall: Zu viel Polemik oder gar Beleidigungen vermeiden!

Adressieren Sie den Brief postalisch an die Leserbriefabteilung, als E-Mail mit Betreff »Leserbrief«, und beziehen Sie sich im Text gleich zu Anfang auf den Titel und das Datum
des Beitrags. Ihr Name sowie Adresse und Telefonnummer müssen ebenfalls angegeben werden. Als Mitteilung über die Veröffentlichung Ihres Leserbriefes bekommen Sie in der Regel ein Belegexemplar der Ausgabe zugeschickt. Normalerweise teilt man Ihnen die Nichtveröffentlichung Ihres Briefes mit, meist mit bedauerndem Hinweis auf Platzknappheit in der Leserbriefecke.

 

Wirkung Leserbriefe schreiben – das klingt im Zeitalter des Internets etwas altbacken, zu sehr der Welt der Printmedien verhaftet. Der Einfl uss, den Sie im Fall eines Abdrucks auf die öffentliche Meinung wie auch auf den Verfasser des Beitrags nehmen, ist aber nicht zu unterschätzen. Sie bekommen ein großes Forum und das kostenlos! Ein Leserbrief wirkt nicht nur, wenn er veröffentlicht und von vielen gelesen wird. Eine zweite, weniger bekannte Wirkung besteht darin, dass die Leserbriefabteilung eingehende Leserbriefe an den Redakteur schickt, dessen Beitrag den Leserbrief veranlasst hat. Wenn Sie in Ihrem Brief weniger bekannte Meinung, sondern neue, interessante Fakten oder Aspekte
thematisieren, beeinfl ussen Sie also ein bisschen die zukünftige Berichterstattung. In vielen Tageszeitungen ist der Redakteur auch angehalten, Stellung zum Leserbrief zu
beziehen. Wie groß ist die Chance, dass Ihr Leserbrief veröffentlicht wird und Sie auf diese Weise öffentlichen Einfluss bekommen? Eine große Tageszeitung wie die Süddeutsche Zeitung erreicht pro Jahr etwa 34 000 Zuschriften, das sind pro Arbeitstag etwa 110. Pro Leserbriefecke (an drei bis fünf Wochentagen) werden ungefähr zehn Lesebriefe veröffentlicht. Ihre Chancen auf Veröffentlichung stehen also gar nicht so schlecht, sie liegen bei zehn Prozent – das ist einen Versuch wert! Die Veröffentlichungschancen verbessern sich noch, wenn man bedenkt, dass etwa ein Viertel der Zuschriften wegen
Ihres schlechten Stils von vornherein als Konkurrenten wegfallen.
Aufwand Nicht wenig. Man muss schon eine Weile herumfeilen, bis man einen knapp und gut formulierten Leserbrief verfasst hat, und allzu viel Zeit hat man nicht dazu.

 

Risiko Ihr Name und oft auch Ihr Wohnort stehen unter Ihrem veröffentlichten Leserbrief. Damit werden Sie potentiell durch radikale Andersdenkende persönlich angreifbar. Vielleicht wird Sie Ihr Metzger nicht mehr so gut bedienen, wenn Sie sich für strengere Kontrollen bei der Fleischproduktion stark gemacht haben. Gravierende Fälle von solchen Diskriminierungen sind aber nicht bekannt geworden
Spassfaktor Wenn Sie gern formulieren, haben Sie Spaß, auch wenn Ihr Brief nicht veröffentlicht wird. Groß ist natürlich die Zufriedenheit, ja der Stolz, wenn er veröffentlicht wird und Ihr Name darunter steht!