Schicken Sie’s zurück! Firmen, die es verdienen, mit Retouren abstrafen (Aktion 17)

Anlass: Das Bürgerliche Gesetzbuch und das EU-Recht gewähren bei Onlinekäufen bislang großzügige Rückgabemöglichkeiten; viele Onlinehändler werben sogar mit der problemlosen Rückgabe gekaufter Waren. Die Käufer nutzen dieses Recht ausgiebig. In der Modebranche landet jedes zweite per Internet bestellte Teil wieder beim Verkäufer, im
Schuhhandel sogar vier von fünf Paar Schuhen. Gründe für die Rücksendung braucht man nicht anzugeben, meistens hat man einen Monat Zeit zur Rückgabe. Die Portokosten für den Rückversand muss der Verkäufer ab einem Warenwert von 40 Euro übernehmen (Ausnahme: geöffnete CDs und Lebensmittel). Was liegt näher, als dieses Rückgaberecht zu nutzen, um verantwortungslose Unternehmen abzustrafen? Beispielsweise einen Fußball, der von Kindern in Mexiko hergestellt wurde, online kaufen, ausprobieren und wieder zurückschicken, natürlich mit entsprechender Bemerkung. Oder Bücher
eines rechtsradikalen Hetzautors. Auch Onlinehändler selbst können dabei ins Visier genommen werden, beispielsweise solche, die Leiharbeiter unter skandalösen Arbeitsbedingungen arbeiten lassen.

Aktion: Informieren Sie sich über das Sündenregister einer Firma. Gehen Sie dann auf die Webseite der Firma oder, wenn diese keinen eigenen Webshop hat, zu einem Versandhändler. Dort suchen Sie sich ein Produkt der kritisierten Firma aus. Das Produkt sollte möglichst groß sein, damit seine Zurücknahme ordentlich Arbeit verursacht. Informieren Sie sich dann über Detailbedingungen der Rückgabe: über Fristen, Modalitäten der Portoübernahme, erlaubte Nutzungsspuren; im Zweifelsfall telefonische Auskunft einholen! Dann bestellen Sie das Produkt gegen Rechnung. Beim Empfang der Ware liegt häufi g ein bereits ausgefüllter Adressenaufkleber für die Rücksendung bei, oft schon mit Aufschrift »Gebühr zahlt der Empfänger«. Falls nicht, müssen Sie die gebührenfreie Rücksendung auf dem Postamt geltend machen, am besten als Paket wegen der Rückverfolgbarkeit. Beleg aufheben! Dann kommt der wichtigste Teil: Schreiben Sie auf dem Rückgabeschein den Grund Ihrer Rückgabe, beispielsweise:
»Habe erfahren, dass dieser Fußball von mexikanischen Kindern hergestellt wurde!« Oder: »Bezahlen Sie Ihr Personal besser, dann bestelle ich wieder bei Ihnen!« Sie könnten den
Druck, den Sie mit Ihrer Rückgabe ausüben, noch verschärfen. Nutzen Sie ausgiebig Ihr Recht auf Überprüfung des Gebrauchswerts einer Ware, beispielsweise durch intensives
Lesen, Anprobieren, Dauerinbetriebnahme. »Bestimmungsgemäße « Gebrauchsspuren sind erlaubt, etwa leichte Knicke auf Buchseiten, Flecken auf dem Fußball, Falten in Kleidern. Sie erschweren den Wiederverkauf der Ware.

Wirkung: Ziel von »Schicken Sie’s zurück« ist die wirtschaftliche Schädigung einer unverantwortlichen Firma. Man sollte die Aktion daher auf erwiesene und hartnäckige
Übeltäter beschränken. Auch wegen der Nebenwirkungen: Zunächst wird ja der Versandhändler geschädigt, dem man lediglich vorwerfen kann, dass er sich nicht besser über die Produktionsbedingungen seiner Waren informiert hat. Sogenannte Retouren sind für den Onlinehändler ärgerlich, ihre Abwicklung kostet Zeit und Geld, durchschnittlich acht bis 13 Euro. Wenn viele Käufer Waren zurückgeben, entsteht für den Versandhändler ein betriebswirtschaftliches Problem. Er wird sich überlegen, ob er die anstößigen Waren der kritisierten Firma nicht besser aus dem Sortiment nimmt. Auf diese Weise üben Sie indirekt Druck auf die unverantwortliche Herstellerfirma, beispielsweise des Fußballs, aus.

Aufwand: Mittel. Sie müssen die Ware einpacken und zur Post gehen. Und Sie müssen sich über das unverantwortliche Treiben der angegriffenen Firma informiert haben, sonst wäre die in Kauf genommene Schädigung des Herstellers oder des Versandhändlers leichtfertig und unmoralisch.

Risiken: Gering, wenn Sie auf Rechnung gekauft haben. Die rechtlichen Detailvorschriften ändern sich allerdings ständig und sind inzwischen unüberschaubar geworden, sind sogar nach einzelnen Kaufmodalitäten und Branchen unterschiedlich. Das betrifft besonders die Übernahme der Portokosten für die Rücksendung und ihre Handhabung. Onlineverkäufer
werden nach der aktuellen Rechtslage (2013) verpflichtet, die Rückgabekosten immer zu übernehmen, auch bei kleinen Warenwerten. Oft versuchen sie, sich im Kleingedruckten davor zu drücken. Oder sie legen Retourscheine ohne Portoübernahme bei, um Sie zur Vorkasse zu verleiten, die Sie dann wieder einklagen müssen. Auch zu starke Gebrauchsspuren könnten für Sie zum Problem werden (Ersetzung des Schadens). In der Regel wird sich ein Rechtsstreit für den Verkäufer aber nicht lohnen. Leider wird demnächst eine neue EU-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt, die es Versandhändlern erlaubt, die Kosten für Retouren auf die Kunden abzuwälzen – was sie
Umfragen zufolge auch tun wollen. Die Richtlinie soll Mitte 2014 in Kraft treten, was sich erfahrungsgemäß aber noch verzögern wird. Erkunden Sie bei Ihrer örtlichen Verbraucherzentrale die aktuelle Rechtslage!

Spaßfaktor: Wegen des Aufwandes etwas gedämpft. Zarte Gemüter werden an den Versandhändler denken, der geschädigt wird, es sei denn, der Händler selbst ist der Bösewicht.