Spritfressern den Spaß verderben (Aktion 36)

Anlass: Jeder weiß um die drohende Klimakatastrophe. Dennoch, man möchte es nicht glauben: Die Zahl spritfressender Geländewagen auf Deutschlands Straßen steigt und steigt, auch in den Städten. 2012 waren bereits 16 Prozent der neu zugelassenen Autos in Deutschland sogenannte SUVs (Sport Utility Vehicle). Über gesetzliche Begrenzungen des CO2-Ausstoßes wird gegenwärtig auf nationaler wie auf europäischer Ebene gestritten. Dabei ringt die Lobby der Naturschützer mit der Automobillobby, besonders mit der deutschen. In diesen Kampf kann man ein bisschen eingreifen, indem man Fahrern von Spritfressern den Spaß verdirbt.

Aktion: Wie bei allen Aktionen gilt auch hier: zuvor informieren, welche Autos exorbitant viel Sprit verbrauchen, Sie wollen ja keinen Unschuldigen treffen! Auf www.sueddeutsche.de/auto/bildstrecke-die-top-ten-der-groesstenspritfresser-1.620713 können Sie sich die Bilder der größten Spritfresser einprägen, damit Sie sie auf der Straße auch erkennen. Ein besonders großer Umweltsünder ist der Porsche Cayenne Turbo S, der in der Stadt 29 Liter auf 100 Kilometern schlucken soll. Allen Geländewagen von Mercedes-Benz wird von Greenpeace ein unverantwortlich hoher Verbrauch attestiert. Stecken Sie sich bei Gängen durch die Stadt am besten die Bilder dieser Spritfresser ein.
Es bietet sich nun eine Strategie doppelter Aktionen an: einmal die öffentliche Brandmarkung. Besorgen Sie sich im Internet Aufkleber mit Texten wie »Ich bin ein Klimaschwein «, »Spritfresser ade« und andere (unter www.g8-blog.blogspot.de/2007/05/schraube-locker-klimakiller-imvisier.html). Noch besser ist es, selbst Texte zu erfinden, auch solche, die etwas zum Nachdenken zwingen wie »Autos saufen Blut« oder »Dein Auto, Afrikas Hunger«. Oder falls Sie provokative Äußerungen nicht scheuen: »Penisverlängerung ist umweltschonender als ein Geländewagen« und »Kein Beischlaf
mit Spritfressern«. Dann lassen Sie bedruckte Etiketten herstellen (Internetsuche unter »Aufkleber selbst gestalten« führt zu zahlreichen Angeboten). Das Aufkleben geschieht eher beiläufi g, wenn Sie ohnehin unterwegs sind. Sie tragen die Aufkleber bei sich und
kleben einen irgendwo auf, wenn Sie an einem Spritfresser vorbeikommen, am besten nicht auf Scheiben, dort werden sie zu schnell vom Besitzer bemerkt. Zusätzlich könnten Sie ein »Klimaknöllchen« unter die Windschutzscheibe heften. Christliche Gruppen haben einen täuschend ähnlichen Strafzettel samt Überweisungsauftrag entwickelt, in dem
der Fahrer wegen seines exorbitanten Spritverbrauchs ein Bußgeld erhält. Abzurufen unter www.heisse-zeiten.org/seiten/1602/ .

Die zweite Aktionsmöglichkeit liegt im Alltag. Wenn Sie am Arbeitsplatz, auf Partys, im Urlaub auf jemanden treffen, der einen Spritfresser fährt, könnten Sie ihm auf angemessene Weise mitteilen, dass Sie das nicht gut finden, am besten in Anwesenheit anderer. Was angemessen ist, ist situationsabhängig. Eine harmlose Frage – »Wie viel verbraucht Ihr Auto eigentlich auf 100 Kilometern?« – führt manchmal eher zu einer Diskussion als ein frontaler Angriff. In einer feuchtfröhlichen Runde würde Sie die Frage »Haben Sie kein schlechtes Gewissen, so einen Spritfresser zu fahren?« in die Rolle des Spaßverderbers bringen. In einer solchen Situation sollte man eher provozierende Andeutungen fallen lassen wie die über die umweltverträglichere Penisverlängerung.
Vielleicht gelingt es Ihnen, den Spritfresser durch kleine ironische Bemerkungen und Andeutungen so zu reizen, dass er sich verteidigt und Ihnen damit Gelegenheit gibt, das Thema direkter anzusprechen.

Wirkung: Eine sofortige pädagogische Wirkung auf den einzelnen Spritfresser sollten Sie nicht erwarten. Wer so viel Geld in sein Spielzeug investiert hat, wird eher mit Trotz reagieren. Aber man kann ihm etwas den Spaß verderben, mit seiner CO2-Dreckschleuder herumzufahren. Das trägt langfristig dazu bei, dass Spritfresser weniger gekauft werden. Wichtiger ist die Außenwirkung solcher Bloßstellungsaktionen.
Durch Aufkleber und private Bemerkungen signalisieren Sie, dass die öffentliche Meinung gegen Spritfresser ist.

Aufwand: Mittel bis hoch. Selbstklebende Etiketten mit aufgedrucktem selbstverfasstem Text kann man bei Internetanbietern für 25 Euro pro 140 Stück erhalten. Billiger kommt das Selbstdrucken daheim am PC auf Aufkleber, die man bestellenoder in gutsortierten Schreibwarenläden kaufen kann. Der Zeitaufwand für das Aufkleben selbst bleibt klein,
wenn man das Aufkleben nebenbei als Zeitvertreib während ohnehin nötiger Besorgungen durchführt. Spezielle Kleberundgänge sind zeitaufwendig, denn schließlich steht nicht überall ein Spritfresser. Im Bekanntenkreis erfordert es ein bisschen Mut, Besitzer dicker Autos kritisch anzugehen; außerdem Fingerspitzengefühl, um nicht als »grüner Ajatollah
« abgestempelt zu werden.

Risiken: Ertappt Sie ein Autofetischist beim Aufkleben, könnte er ausrasten, schließlich haben Sie sein Heiligstes entweiht. Diskutieren Sie laut mit ihm, damit möglichst viele
Passanten aufmerksam werden! Rechtlich gesehen, sind Sie auf der sicheren Seite, denn die Etiketten richten keinen Schaden an, es sei denn, man hat spezielle Kleber verwendet. Wenn Sie unter Bekannten zu oft und zu penetrant auf Spritfresser losgehen, könnten Sie mit der Zeit als Nervensäge gemieden werden.

Spaßfaktor: Einen Spritfresser mit kleinen Bemerkungen zu attackieren, kann ungeheuren Spaß machen! Wenn er auf die Palme gerät, haben Sie das Publikum auf Ihrer Seite. Kosten Sie die Situation genüsslich aus!