Zahlen Sie mit Regionalgeld (Aktion 24)

Anlass: Seit der Finanzkrise denken mehr Menschen kritisch über Geld nach. Dabei gerät das Zinssystem als eine der Ursachen für Schuldenanhäufung, ungerechte Vermögensverteilung und für wiederkehrende Finanzkrisen in den Blick. Auch die Bibel und der Koran fordern an vielen Stellen den Umgang mit zinsfreiem Geld. Mit Geld zahlen müssen allerdings alle, und sie halten so nolens volens ein Geldsystem aufrecht, dessen riskante und ungerechte Folgen inzwischen spürbar sind. In fast 50 Regionen Deutschlands gibt es mittlerweile eine Alternative – oder, genauer gesagt, eine Ergänzung
– zum zinsunterworfenen Euro: Regionalgelder. Sie tragen Namen wie »Chiemgauer«, »Havelblüten« oder »Pfälzer«.
Am Beispiel des seit 2003 existierenden Chiemgauer lässt sich das Prinzip der Regionalgelder beschreiben. Die Teilnehmer – Kunden und Geschäfte – tauschen Euros gegen Chiemgauer im Kurs eins zu eins und können mit ihnen in fast 700 Unternehmen der Region einkaufen, inzwischen auch bei einigen Volksbanken und Sparkassen Überweisungen vornehmen. Nun kommt das Entscheidende: Wer nach drei Monaten seinen Chiemgauer nicht ausgegeben hat, muss eine Marke in Höhe von zwei Prozent des Nominalwertes kaufen und auf den Schein kleben. Mit diesem Negativzins soll erreicht werden, dass der Chiemgauer in Umlauf bleibt und den regionalen Wirtschaftskreislauf ankurbelt. Wer seinen Chiemgauer in Euro zurücktauscht, muss rund fünf Prozent an gemeinnützige Vereine zahlen. Die verschiedenen Regionalgeldsysteme funktionieren im Detail unterschiedlich, Gemeinsam ist ihnen allen: Zinsgewinne spielen keine Rolle, es muss im Gegenteil ein Negativzins beachtet werden.

Aktion: Finden Sie auf http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Regionalgelder heraus, ob in Ihrer Region Regionalgeldsysteme existieren und wer sie organisiert. Die örtlichen Organisatoren erklären Ihnen den Umgang mit dem jesweiligen Geld und geben Ihnen Listen mit den Geschäften, in denen man damit kaufen kann. Übrigens: Sie können Regionalgeld auch zu Geburtstagen oder zu Weihnachten verschenken!
Näheres unter www.regionetzwerk.blogspot.de/2012/12/regiogeld-als-geschenk.html.

Wirkung: Die meisten Ökonomen lassen kein gutes Haar an Regionalgeldern: Die Geldmenge, die durch Regionalgelder dem zinsbestimmten Geldkreislauf entzogen wird, sei in ihrer Größenordnung zu vernachlässigen; die Systeme seien zu kompliziert; die regionale Wirtschaft werde kaum gefördert; letztlich legten die Bezahlenden drauf. In der Tat hat die Verwendung von Regionalgeld derzeit überwiegend ethische Ziele. Sie ist vor allem Protest, auch wenn der Protestcharakter in der gängigen Außendarstellung der Regionalgelder kaum zum Ausdruck kommt. Wenn Sie mit Regionalgeld zahlen, bringen Sie zum Ausdruck, dass Sie gegen das herrschende Geldsystem sind und leben exemplarisch vor, dass man Geld auch anders verwenden kann! Wichtig ist auch ein pädagogischer Effekt: Wer mit Regionalgeld zahlt, bekommt ein anderes Verhältnis zum Geld. Er lernt, dass man mit Geld auch ohne Gedanken an Zinsgewinne umgehen kann. Dazu zählt seine Verwendung in lokalen und gemeinwohlfördernden Bezügen.

Aufwand: Man muss sich erst einmal in die manchmal komplizierten Funktionsweisen des jeweiligen Regionalgeldes hineingedacht haben. An zweierlei Scheine im Portemonnaie gewöhnt man sich noch rasch, aber die Übersicht über die Geschäfte, in denen man – manchmal zu Sonderbedingungen – einkaufen muss, ist nicht immer leicht zu gewinnen. Auch muss man lernen, den am Quartalsende drohenden Wertverlust durch rechtzeitiges Ausgeben zu vermeiden. Beim Rücktausch in Euro zahlt man in der Regel etwas drauf.

Risiken: Finanziell gesehen gering, da man die meisten Regionalgelder jederzeit zurücktauschen kann.

Spaßfaktor: Wenn man den mit lokalen Symbolen gestalteten Schein zückt, stellt sich oft ein schönes Gefühl der Zugehörigkeit ein.