Bei Mietproblemen im Haus: Laden Sie andere Mieter zum Kaffee ein (Aktion 9)

Anlass: Sie wohnen zusammen mit anderen Mietern in einem Haus, das einem Eigentümer oder einer Wohnungsgesellschaft gehört. Und Sie werden mit einem der heutzutage verbreiteten Probleme von Mietern konfrontiert: Sei es, dass die Miete exorbitant erhöht wird, dass Ihnen die Nebenkostenabrechnung suspekt ist oder dass man Druck auf Sie ausübt, einer Kündigung oder einem Umzug zuzustimmen, damit
der Weg zur Luxussanierung frei wird. Warum sich jetzt allein wehren, wo doch andere Mitmieter mit denselben Problemen konfrontiert sind? Laden Sie doch einige Mieter aus
Ihrem Haus zu sich zum Kaffee ein, damit man sich austauscht! Gemeinsam wehrt es sich besser, und der erste Schritt dazu ist das gemeinsame Gespräch! Leider ist es in Deutschland nicht sehr normal, dass man bei Mietproblemen auf Mitbetroffene zugeht. Überwinden Sie diese Einzelkämpfermentalität!

Aktion: Werfen Sie in die Briefkästen des Hauses (eventuell auch der Nachbarhäuser) einen kurzen kopierten Brief, in dem Sie ohne große Umschweife Ihr Problem schildern
(»Haben Sie auch eine völlig intransparente und überhöhte Nebenkostenabrechnung erhalten …?) und zum Geangedankenaustausch in Ihre Wohnung einladen, Termin an
einem Feierabend in der folgenden Woche. Wenn Sie inzwischen einem der Mitmieter begegnen, sollten Sie ihn natürlich fragen, was er von der Einladung hält, ob er kommt und so weiter.
Zum Aufwärmen trinken Sie erst einmal zusammen ein bisschen Tee oder Kaffee. Dann bitten Sie, dass jeder reihum erzählt, welche Mietprobleme er hat oder hatte, und beginnen selbst damit. Falls sich nun herausstellt, dass viele mit denselben Problemen konfrontiert sind, sollten Sie die Frage aufwerfen, was man gemeinsam tun kann. Vielleicht haben andere Mieter bereits einen Weg gefunden, juristisch vorzugehen, und kennen einen guten Rechtsanwalt (den man eventuell gemeinsam bezahlen kann)!
Wie es danach weitergeht, lässt sich kaum verallgemeinern. Es hängt davon ab, welche gemeinsamen Problemlagen vorliegen, ob sich erfolgversprechende Lösungswege abzeichnen, ob das Engagement der Betroffenen groß genug ist und so weiter. Vielleicht findet sich ein Mitbewohner, der stellvertretend für andere eine Klage mithilfe des Armenrechts auf den Weg bringen kann. Wenn sehr viele Mieter mit einem speziellen Problem konfrontiert sind, sollte man auch an die Gründung einer Mieterinitiative denken, was im Prinzip wie die Gründung einer Bürgerinitiative anzugehen wäre (vergleiche Aktion 50).

Wirkung: Das Gefühl, nicht allein zu sein, reduziert Angst! Die Einladung zum Kaffee wird man noch kaum als regelrechten Akt des Bürgerprotests bezeichnen können, aber es ist der erste Schritt zur Vorbereitung eines effektiven Widerstandes gegen Mietmissstände. Einen Versuch ist er immer wert!

Aufwand: Überschaubar, da alle Schritte im Haus organisiert werden. Man läuft sich oft über den Weg und hat kurze Wege!

Risiken: Gering, wenn Sie es vermeiden, nach außen als »Rädelsführer« aufzutreten. Ein renitenter Hauseigentümer könnte Sie dann mit besonderen Repressalien überziehen. Eventuelle spätere juristische Schritte unternimmt jeder im eigenen Namen, nachdem sie gemeinsam vorbereitet wurden!

Spaßfaktor: Gemeinsam Kaffee zu trinken macht schon einmal Spaß. Danach wird man Mitbewohnern, die einem bisher eher fremd waren, vertrauter begegnen!