Nerven Sie datensammelwütige Firmen durch Selbstauskünfte (Aktion 6)

Anlass: Täglich hinterlassen wir bei privaten Unternehmen persönliche Daten: beim Telefonieren mit dem Handy, beim Bezahlen mit der Kreditkarte, beim Bestellen im Versandhaus oder bei eBay oder Amazon, beim Surfen im Internet, beim Chatten in sozialen Netzwerken, selbst beim Lesen von E-Books. Google, Amazon und Facebook
oder die Telekom bekommen mit, was Sie lesen, welche Musik Sie hören, mit wem Sie über was kommunizieren, selbst, wo Sie das tun! Viele Unternehmen sammeln diese Daten, einige legen Kundenprofile an und verkaufen die Informationen weiter. Nicht nur die Privatsphäre des einzelnen ist bedroht. Die Bürgerinnen und Bürger in ihrer Gesamtheit werden »gläserner« und damit kontrollierbarer, manipulierbarer. Das informationelle Kräftegleichgewicht wird zugunsten der Wirtschaft verschoben. Dagegen hilft persönliche Datenhygiene – aber auch nur begrenzt, denn an der Internetnutzung kommt heute keiner vorbei. Sie können die Datensammlungswut der Unternehmen aber et- was stören, indem Sie ausgiebig von Ihren Auskunftsrechten Gebrauch machen.

Aktion: Gehen Sie auf www.selbstauskunft.net, eine von einem datenschutzengagierten Internetunternehmer betriebene Webseite. Dort finden Sie derzeit 568 Unternehmen, von denen Sie Auskunft über die über Sie gespeicherten Informationen verlangen können. Dazu haben Sie nach Paragraph 14 I, IV des Bundesdatenschutzgesetzes einmal im
Jahr das Recht. Die Webseite stellt Ihnen ein Formular zur Verfügung, auf dem Sie die Unternehmen auswählen oder als Gruppe markieren können (zum Beispiel die Liste »empfohlene Unternehmen«, die die großen Datensammler und -händler umfasst). Selbstauskunft.net schickt dann Ihren Antrag kostenlos an diese Firmen weiter. Die Firmen müssen Ihnen nun per Post antworten – hierin liegt der diskrete Charme der Aktion.

Wirkung: Bis Ende 2012 kam es über selbstauskunft.de zu 713 944 Anfragen. Bei den angeschriebenen Unternehmen entsteht Arbeits- und Portoaufwand, eine große Anfra-
genkampagne wird jedes Unternehmen zu vermeiden suchen. Ihr Interesse an Ihren Daten wird zu einer größeren Sensibilität der Branche im Umgang mit Daten beitragen. In jedem Fall streuen Sie etwas Sand ins Getriebe der Datenkraken. Ein kleiner Nebeneffekt: Man kann nach Erhalt der Auskünfte eine Korrektur falscher und vielleicht schädlicher Daten (zum Beispiel für Kreditangelegenheiten) veranlassen. Vielleicht sind Datenkraken aber auch nicht unglücklich über eine solche kostenlose Erneuerung ihrer Datenbestände!

Aufwand: Gering. Die Aktion ist mithilfe von selbstauskunft.net binnen fünf Minuten durchgeführt, egal von wie vielen Unternehmen man Auskunft verlangt. Der größte Auf-
wand kommt mit dem Lesen der schriftlichen Antworten der Unternehmen.

Risiken: Bisher sind keine Nachteile bekannt geworden. Sie müssen bei selbstauskunft.net zwar Namen, Adresse und Geburtsdatum angeben, man sichert Ihnen aber zu, diese Daten nicht für Werbezwecke zu verwenden oder weiterzugeben. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen empfiehlt die Nutzung des Services.

Spaßfaktor: Man ist gespannt, was andere über einen wissen.