Schlagen Sie Ihren Protest wie Martin Luther an (Aktion 40)

Anlass: Missstände in Ihrer unmittelbaren Umgebung wie unzweckmäßige Verkehrsführungen, fehlende Kinderspielplätze, eine geplante Baumfällaktion, die Zustände in einem Asylbewerberheim. Hier ist es sinnvoll, die Menschen im betreffenden Gebiet zu informieren, um Druck auf lokale Entscheidungsträger wie Stadträte, Bezirksausschüsse, kommunale Behörden oder Firmen auszuüben. Plakate sind ein
klassisches, probates Mittel dazu!

Aktion: Die Wahl der Plakatgröße hängt vom Anbringungsort ab. Handzettel in A5-Format eignen sich zum Auslegen in Geschäften oder Kneipen. Ab Format A4 kann man sie auf Mauern, Bauzäunen, Laternenpfählen oder Bäumen anbringen. Plakate bis A3-Format haben den Vorteil, dass man sie zu Hause am PC ausdrucken kann (Tintenstrahldruck ist wasserfest). Um sie auffälliger zu machen, können sie zusammengesetzt und so optisch auf A2-Format aufgebläht werden. Je nach Untergrund kann man die Plakate kleben (mit Tapetenkleister), tackern, mit Klebeband oder Reißnägeln befestigen. Rechnen Sie damit, dass Ihre Plakate nicht allzu lange hängen. Sie werden heruntergerissen, überklebt oder von Wind und Regen zerstört. Also nach einiger Zeit einen Probegang machen und eventuell nachplakatieren! Das Presserecht verlangt amEnde des Plakates ein »V. i. S. d. P.« (Verantwortlich im Sinne des Presserechts) mit Ihrem Namen und einer Adresse. Ein Problem ist die Informationsflut. Ihre Botschaft droht unter den vielen anderen Aushängen, aber auch unter der allgegenwärtigen kommerziellen Werbung unterzugehen. Wichtig sind daher nicht nur zahlreiche und gut platzierte Plakate, sondern auch ansprechend gestaltete. Eine sehr große Überschrift, die ruhig provokativ sein kann, soll möglichst schon von weitem den ersten Blick einfangen. Dieser »Hingucker« motiviert, sich dem darunter stehenden, kleiner geschriebenen Text zuzuwenden. Dort wird das Anliegen detaillierter beschrieben und zu weiteren Schritten aufgefordert, zum Beispiel an einer Veranstaltung teilzunehmen, einen Protest zu unterzeichnen und so weiter. Flankierend sollten Sie Ihre Plakate immer auch an lokale Medien und an örtliche Gremien schicken, besonders die Mitglieder von Bezirksausschüssen greifen solche Aktionen gern auf! Wenn Sie in der presserechtlichen Unterschrift des Plakates zu Ihrem Namen beispielsweise eine »Bürgerinitiative ›Keine Baumfällung in der Bauerstraße‹« hinzufügen, fördert das die Aufmerksamkeit (selbst wenn die Bürgerinitiative nur aus Ihnen und ein paar vorher eingeweihten Freunden besteht).

Wirkung: Wie bei einer Minidemo oder einer Mahnwache bleibt die informierende und mobilisierende Wirkung kleinräumig. Dafür kommt sie gezielt bei den örtlich Betroffenen
an. Entsprechend gezielt ist der Druck auf örtliche Entscheidungsträger.

Aufwand: Hoch. Die Herstellung von ansprechenden Plakaten erfordert graphisches Können. Druck oder Kopieren von Plakaten sind nicht ganz billig. Um Menschen anzusprechen, braucht man aber nicht unbedingt das teure Designer-A2-Plakat!
Handgestrickt wirkende Aushänge können besonders authentisch wirken, heben sich von kommerziellen Aushängen ab und signalisieren lokalen Bezug. Zum Herstellungsaufwand
für die Aushänge kommt der Zeitaufwand für die Plakatierung sowie für die Nachplakatierung. Unterschätzen Sie nicht das Gewicht der Materialien, die Sie bei Plakatierungsrunden mit sich schleppen müssen: Plakate, Leim, Pinsel und so weiter, da kommen zehn Kilogramm schnell zusammen!

Risiken: Illegales Plakatieren liegt vor, wenn der Eigentümer der Plakatierungsfl äche absehbar mit einer Plakatierung nicht einverstanden sein dürfte, besonders wenn auf gepfl egten Hauswänden, auf Scheiben und Türen oder auf Werbeplakaten plakatiert wird. Tut man es dennoch, kann es zu einer Strafanzeige mit folgender Zivilklage wegen Sach- oder
Geschäftsschädigung kommen. Dabei muss der Geschädigte allerdings den Schaden nachweisen, beispielsweise die Kosten der Plakatentfernung, die bis hin zum Neuanstrich gehen können. Mit Klebestreifen befestigte Plakate sind hier weniger riskant als mit Tapetenkleister angebrachte, aber sie halten nicht so lange. Nachgewiesen werden muss auch, dass Sie derjenige waren, der plakatiert und damit den Schaden angerichtet hat. Auch als lediglich presserechtlich Verantwortlicher eines Plakates (»V. i. S. d. P.«) kann man theoretisch juristisch belangt werden, hat aber gute Chancen, sich zu entlasten. Manche geben ihr »V. i. S. d. P.« nicht an, um im Schutz der Anonymität befreiter plakatieren zu können. Das wäre ein Verstoß gegen Pressegesetze. Zu bedenken ist auch,
dass allzu rücksichtslose Plakate (zum Beispiel auf Türen oder Fensterscheiben) irgendjemanden stören und daher rasch wieder entfernt werden. Bereits hängende, noch aktuelle Plakate sollte man nicht überkleben. Die Verwilderung der Plakatierungssitten schadet allen Plakatierern!
Ein gewisses rechtliches Risiko bergen auch die Inhalte, die Sie in den Aushängen veröffentlichen. Die deutsche Rechtsprechung räumt der Meinungsfreiheit zwar einen hohen Stellenwert ein, aber sobald jemand einen konkreten Schaden nachweisen kann, der ihm durch Ihre Behauptungen entstanden ist (und sei es nur durch eine Beleidigung),
kann er zivilrechtliche Schritte gegen Sie unternehmen. Das geschieht aber selten und setzt massive Fehlbehauptungen voraus. Es ist immer vorteilhaft, eventuell problematische
Behauptungen als Meinung Dritter zu präsentieren (»Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet …«). Aber selbst in diesem Fall sind Sie nach neuerer Rechtsprechung prinzipiell verpflichtet, den Wahrheitsgehalt einer Information zu überprüfen. Unter Berufung auf Internetrecherchen wird man das leicht nachweisen können.

Spaßfaktor: Das Plakatieren selbst ist Knochenarbeit und kostet Zeit. Ein gewisser Spaßfaktor ist trotzdem dabei. Sie lernen Ihre Wohnumgebung besser kennen und kommen beim Plakatieren manchmal mit Leuten ins Gespräch, die neugierige Fragen stellen. Groß ist die Zufriedenheit, wenn Sie durch Ihr Stadtviertel gehen und überall Ihre Werke hängen sehen!