Stellen Sie Ihr Depot auf ethische Anlagen um (Aktion46)

Anlass: Gierige Banker verteidigen ihr Treiben manchmal mit dem Argument: »Die Aktionäre wollen Rendite sehen, egal wo und wie das Geld arbeitet«. Damit haben sie
heute nur noch zum Teil recht. Immer mehr Menschen möchten mit bestimmen, wo ihr Geld »arbeitet«. Sie möchten ausschließen, dass es in Geschäfte fl ießt, die mit Rüstung, Atomenergie, Steueroasen, Gentechnik, Menschenrechtsverletzungen, Spekulation oder Umweltschädigungen verbunden sind. Oder sie bevorzugen gezielt ethisch vertretbare Kapitalanlagen (zum Beispiel Ökofonds oder Mikrokredite an Kleinbauern in der Dritten Welt). Viele geben ihr Geld auch Alternativbanken, die sich verpflichtet haben, verantwortungsbewusst mit Geld umzugehen. Die ethische Geldanlage ist sozusagen der Buy- oder Boykott von Finanzprodukten.

Wer sich zu einer ethischen Geldanlage entschließt, muss dabei nicht unbedingt fi nanzielle Nachteile in Kauf nehmen. Es spricht viel dafür, dass politisch, sozial oder ökologisch nachhaltige Geldanlagen auch fi nanziell nachhaltiger sind. Die Alternativ- und Kirchenbanken sind fast ohne Verluste durch die Finanzkrise der vergangenen Jahre gekommen. Viele nachhaltige Geldanlagen – zum Beispiel der von der UmweltBank aufgelegte Aktienfonds Ökovision, der Sarasin
OekoSar Equity-Global und der GreenEffects NAI-Werte Fonds – lieferten während des damaligen Wertverfalls von Aktien erstaunlich gute Renditen. Die Stiftung Warentest ermittelte für »saubere« Fonds 2010 eine Durchschnittsrendite von 2,5 Prozent pro Jahr in den vergangenen fünf Jahren, was als gutes Abschneiden gewertet wurde (www.test.de/sau bere-fonds). Man muss also nicht Rendite für Ethik opfern!

Aktion: Am besten verbinden Sie eine ethische Umstellung Ihrer Wertpapiere mit einem Konto- und Depotwechsel zu einer der ethischen beziehungsweise alternativen Banken (vergleiche Aktion 23), die sich für die Einhaltung ihrer ethischen Normen verbürgen und der Spekulation abschwören. Eine Übersicht finden Sie in dem Buch Geld und Geldwissen. Was wir gegen den Crash tun können von Wolfgang Kessler und Antje Schneeweiß (2010, Seite 133 ff.). Die wichtigsten sind:

  • Die EthikBank, die in soziale und Umweltprojekte investiert und übrigens auch eine entsprechende Riester-Rente anbietet.
  • Die GLS-Bank hat einen anthroposophischen Hintergrund. Sie vergibt Kredite vor allem im Bildungsbereich und für erneuerbare Energien und bietet Aktien an, die von der unabhängigen Ratingagentur imug (Institut für Markt- Umwelt-Gesellschaft) geprüft wurden.
  • Die Triodos Bank investiert 70 Prozent des angelegten Kapitals in ökologische, soziale und kulturelle Projekte, den Rest in Mikrokredite in Entwicklungsländern.
  • Schwerpunkt der UmweltBank ist die Finanzierung von ökologischen Projekten, unter anderem von Unternehmen der Solar- und Windenergie und des Recyclings.
  • Kirchliche Banken wie die Bank für Kirche und Caritas, die Steyler Bank oder die KD-Bank für Kirche und Diakonie. Sie schließen unter anderem Unternehmen aus, deren Geschäfte Abtreibungen fördern.

Prüfen Sie zunächst, welche ökologischen, sozialen oder ethischen Kriterien Ihnen wichtig sind. Dabei hilft ein kleiner Test des Rats für Nachhaltige Entwicklung (www.nachhaltiger-warenkorb.de, Broschüre, Seite 80). Lassen Sie sich dann von der neuen Bank beraten, welche Anlagemöglichkeiten Ihren Wertvorstellungen entsprechen. In Frage kommen Festgelder, Sparanlagen und Sparbriefe sowie Aktien einzelner geprüfter Unternehmen und nachhaltige Fonds, Direktbeteiligungen an Projekten, ferner nachhaltige Lebensversicherungen, selbst – falls Sie sie nicht für Betrug halten – für Riester-Renten. Erkundigen Sie sich, welche Renditen und Risiken die einzelnen Anlagen besitzen und welche Transaktionskosten beim Kauf und Verkauf anfallen. Auch ist der Service kleinerer ethischer Banken manchmal eingeschränkt – die EthikBank bietet zum Beispiel kein Girokonto, und die nächste Zweigstelle kann weit entfernt sein. Falls Sie Ihre jetzige Bank nicht verlassen wollen, können Sie sich auch dort über ethische Anlagen beraten lassen.
Aber Achtung: Man wird Ihnen das vielleicht ausreden wollen mit Hinweis auf mangelhafte Renditen, schlechten Service, Risiken und so weiter. Verlangen Sie eine Einzelfallprüfung
unter Berücksichtigung unabhängiger Bewertungen wie der Ratingagenturen imug oder Oekom sowie der Stiftung Warentest (unter »Fondsvergleiche«). Vorsicht bei sogenannten »Best-of-class«-Beurteilungen! Dabei kommt der relativ Beste in einer Branche in den Genuss von Nachhaltigkeitsbescheinigungen. So kann absurderweise der Ölgigant
BP in seiner Branche das Prädikat »grün« erhalten.

Wirkung: Sie werden nicht nur mit besserem Gewissen Ihre Rendite erzielen. Bei Direktinvestitionen wie zum Beispiel in Windkraft, Mikrokredite, karitative Einrichtungen
fördern Sie auch direkt erwünschte Entwicklungen. Es gibt auch eine generelle Wirkung. Je mehr Geldanlagen gemäß nachhaltigen und ethischen Kriterien »geratet« werden,
desto stärker gerät das Management von Unternehmen und Kapitalanlagen unter Druck, entsprechend zu wirtschaften. Selbst die Deutsche Bank unterhält inzwischen eine interne
Abteilung, in der sie Informationen über die Nachhaltigkeit von Unternehmen sammelt.
Obwohl seit der Finanzkrise viele Bankkunden den privaten Großbanken den Rücken gekehrt haben und zu alternativen Banken gewechselt sind, ist das Potential nachhaltigen
Investments insgesamt noch vergleichsweise klein. 2011 lag es in Deutschland bei 63 Milliarden, allerdings mit steigender Tendenz. Die Signalwirkung der ethischen Anleger ist
aber bereits bemerkbar. Banken wie die Commerzbank werben inzwischen mit einem angeblich verantwortungsvolleren Umgang mit Geldanlagen.

Aufwand: Mittel- und langfristig müssen Sie – betrachtet man die Renditeentwicklung alternativer Banken und nachhaltiger Anlagen – keine nennenswert geringere Rendite in
Kauf nehmen. Dafür wird der Weg zu einer ethischen Bank eventuell weiter sein, und es werden nicht überall Geldautomaten zur Verfügung stehen. Vielleicht ist eine gemischte
Strategie ratsam: ein Girokonto für den täglichen Zahlungsverkehr bei einer nahegelegenen Bank oder kostenlos bei einer Direktbank, das Depot bei einer ethischen Bank.

Risiken: Die genannten alternativen Banken (mit Ausnahme der holländischen Triodos Bank) gehören dem deutschen Einlagensicherungsfonds an, Ihre Einlagen sind also
im gleichen Umfang geschützt wie bei anderen Geschäftsbanken. Generell gelten nachhaltige Anlagen als mittel- und langfristig risikoarm. Das fi nanzielle Risiko der Kurs- beziehungsweise der Renditeentwicklung von Anlagen ist von Fall zu Fall zu beurteilen. Fragen Sie Ihren Bankberater! Investitionen in Solarfirmen beispielsweise erlitten jüngst starke Geschäftseinbußen.

Spaßfaktor: Ein dauerhaft gutes Gefühl, ab und zu getrübt durch einzelne fi nanzielle Verluste, die es aber bei profitgeleiteten Anlagen ebenfalls – eher noch ausgeprägter –
gibt.