Verwischen Sie Ihre Surfspuren beim Googeln (Aktion 3)

Anlass: Wir alle können uns ein Leben ohne Googles Suchdienste fast nicht mehr vorstellen. Der Nebeneffekt: Wenn Sie auf Google (wie auch auf Facebook oder anderen
sozialen Netzwerken) unterwegs sind, hinterlassen Sie Spuren. Google speichert, für welche Themen Sie sich wann und von wo aus interessiert haben und welche Informationen Sie bekommen haben. Wenn Sie einen Account haben, kennt Google Ihren Namen, Ihre Mail-Adresse, Telefonnummer (und damit den Wohnort) und oft Ihre Kreditkartennummer. Alle diese Daten werden untereinander verknüpft – auch unter Einbeziehung Ihrer Beiträge im sozialen Netzwerk Google+.
Es entsteht ein Profil Ihrer Person. Google sichert zwar zu, personenbezogene Daten nicht an Dritte weiterzugeben, mit Ausnahme von »vernünftigerweise notwendigen Fällen« wie zur Aufklärung von Kriminalität und auch zum »Schutz der Rechte von Google vor Schaden«. Nicht personenbezogene Daten hingegen werden ganz offiziell an Kunden wie Verlage, Werbefirmen und so weiter verkauft. Sie merken es, wenn beim Googeln verdächtig viele auf Sie zugeschnittene Anzeigen erscheinen. Unter dem Druck nationaler und europäischer Datenschutzauflagen hat Google inzwischen etwas nachgegeben. Es lässt zu, dass Sie auf Ihrem Google-Account gespeicherte Daten löschen und weitere Speicherungen unterbinden. Was aber ist mit den Surfspuren, die Sie beim täglichen Benutzen von Google als Suchmaschine hinterlassen?
Aktion: Am einfachsten ist es, auf Google als Suchmaschine ganz zu verzichten, denn es gibt datenschutzfreundlichere Alternativen. Einmal die amerikanische Suchma-
schine Duckduckgo. Sie sammelt keine Daten von Ihnen und finanziert sich über sauber getrennte und sparsame Werbung. Die Suchleistung ist nach Meinung von Fachleu-
ten ebenso gut wie die von Google, und seit Google offiziell seine Datenweitergabe zugegeben hat, erfreut sich Duckduckgo wachsender Beliebtheit. Die Suchergebnisse werden in einer etwas anderen Reihenfolge präsentiert als bei Google. Duckduckgo liefert Ihnen keine auf Ihr Suchverhalten zugeschnittenen Webseiten, was aber auch Vorteile
hat – Sie bekommen nicht nur das zuerst, was in Ihren Erwartungshorizont passt. Auch bei der Bedienung hat Duckduckgo praktische Vorteile. Tipp: Stellen Sie bei Aufruf von
www.duckduckgo.com unter »Region« Deutschland ein! Die zweite Möglichkeit ist die niederländische Ixquick (www.ixquick.com), die sich rühmt, die »diskreteste« und
»leistungsstärkste« Suchmaschine der Welt zu sein. Sie speichert Ihre IP-Adresse nicht, so dass Informationen über Ihr Suchverhalten nicht zuordenbar sind. Die Finanzierung
kommt wie bei Duckduckgo über Anzeigen zustande. Der europäische Datenschutzbeauftragte hat Ixquick zertifiziert.
Falls Sie auf Googles Dienste nicht verzichten wollen, könnten Sie Ihren Browser (das Programm, das Surfen im Internet ermöglicht) austauschen. Laden Sie sich unter www.
srware.net den Browser »Iron« herunter und benutzen Sie ihn, wenn Sie künftig im Internet surfen. Er bietet dieselben Funktionen wie Googles Browser »Chrome«, unterdrückt aber die Übermittlung Ihrer persönlichen Daten an Google. Wenn Sie einen Apple-Rechner besitzen, könnte es dabei aber Probleme geben. Viele besitzen einen eigenen Google-Account (samt E-Mail-Adresse und Passwort) und möchten vielleicht auch die dort hinterlassenen Spuren löschen. Gehen Sie dazu auf www.google.com/history. Nach Eingabe Ihres Passworts finden Sie eine Liste mit allen Suchvorgängen, die Sie bisher getätigt haben. Nun haben Sie die Möglichkeit, unter »Webprotokoll Hilfe« und unter »Webprotokoll löschen« alle oder einzelne Einträge auf dieser Liste zu löschen. Ferner, noch wichtiger, können Sie unter »Webprotokoll deaktivieren« die weitere Speicherung Ihres Surfverhaltens durch Google generell unterbinden oder auch nur teilweise, also bezogen auf einzelne Webseiten. Und wenn Sie schon dabei sind: Auf ähnliche Weise können Sie auch die Spuren löschen, die Sie
auf Youtube hinterlassen haben (über www.youtube.com/my_history?authuser=0).
Bei Facebook oder Twitter gespeicherte Daten kann man leider nicht sicher löschen, obwohl es noch nötiger wäre, hinterlässt man hier doch viel mehr und viel intimere Spu-
ren. Facebook hat sogar damit begonnen, von jedem Teilnehmer »Lebensarchive« anzulegen! Man müsste sein Konto völlig aufgeben, was angesichts der unbestreitbaren
Vorteile der Dienste von Facebook und Twitter für Bürgerproteste überlegt sein will. Außerdem soll der Löschvorgang bis zu neun Monate dauern. Allerdings könnte auf
Grund aktueller Klagen gegen Facebook in Sachen Datenkontrolle schon bald eine neue Situation eintreten. Auch die EU arbeitet an einer neuen Verordnung zum Daten-
schutz

Wirkung: Alle Maßnahmen gegen die Speicherung des Surfverhaltens sind ein Akt der persönlichen wie der öffentlichen Datenhygiene. Sie schützen nicht nur Ihre Privatsphäre, sondern Sie signalisieren auch Google, anderen Datenkraken und den Datenschutzpolitikern, dass der gläserne Bürger auf Ablehnung stößt. Darüber hinaus stören Sie den ganzen Betrieb der Datensammlung – wenigs- tens ein bisschen.
Wenn nun viele User die Geschäfte Googles mit Daten beeinträchtigen, gefährden sie dadurch nicht die kostenlosen Dienste von Google? Wird Google früher oder später nicht
ein anderes, gebührenfinanziertes Geschäftsmodell einführen? Aus dem Hause Google hört man hin und wieder solche Überlegungen. Ob und wann Google sie wahrmachen kann, hängt von der Konkurrenzsituation unter den Internetdiensten ab. Zweifellos würde die Einführung von Gebühren einen »Shitstorm« in der Internetcommunity hervorrufen, wie ihn Google bislang vermieden hat.

Aufwand: Die Aktionen sind in wenigen Minuten getan, lediglich die Einrichtung eines neuen Browsers kostet etwas mehr Zeit.

Risiken: Bei Wahl von Duckduckgo oder Ixquick keine. Wenn Sie Ihre persönlichen Daten in Ihrem Google-Account löschen und die weitere Speicherung deaktivieren, regist-
riert Google Ihre Widerspenstigkeit natürlich. Müssen Sie befürchten, dass Google daraufhin seinen Service für Sie einschränkt? In seinen Nutzungsbedingungen schließt Google das nicht explizit aus. Bisher sind noch keine Fälle einer Einschränkung bekannt geworden.

Spaßfaktor: Es wird Sie freuen, dem Giganten Google ein Schnippchen geschlagen zu haben. Ixquick erinnert Sie bei jedem Aufruf daran durch sein selbstbewusstes Banner
»Diskreteste Suchmaschine der Welt«.