Konsumieren ohne zu kaufen: tauschen, leihen oder gemeinsam nutzen (Aktion 25)

Anlass: Schnelle Produktzyklen, Billigprodukte und Werbung haben dazu geführt, dass wir nach einer Studie von eBay aus dem Jahre 2008 ungenutzte Geräte im Werte von 35,5 Milliarden Euro in unseren Haushalten herumliegen haben. Viele Dinge nutzen wir nur geringfügig. Bohrmaschinen beispielsweise werden im Laufe ihrer Lebensdauer nur 45 von möglichen 300 Stunden in Betrieb genommen, in Privathaushalten kommt wahrscheinlich nicht mal eine Stunde zusammen. Herstellung und Entsorgung dieser untergenutzten Produkte belasten die Umwelt und unser Portemonnaie. Untergenutzte
Gegenstände sind auch ein Ärgernis für alle, die der Konsumgesellschaft und dem Zwang zur steten Konsumausweitung kritisch gegenüberstehen, und eine Provokation für diejenigen, die nicht an ihr teilhaben können. Die Alternative: Man kann Dinge gemeinsam nutzen oder tauschen, auch Dienstleistungen.

Aktion: Es gibt viele Wege. Der einfachste führt über das Internet, wo es zahlreiche Tausch- und Ausleihbörsen gibt: Fürs Auto gibt es Carsharing-Unternehmen. Einen besonderen Service bietet die Plattform www.autonetzer.de , auf der Privatleute ihren PKW anbieten. Sie können dort ein Auto leihen oder Ihr Auto verleihen. Jemanden im Auto gegen Bezahlung mitzunehmen wäre ebenfalls im Sinne der Aktion (dazu www.mitfahrgelegenheit.de ). Überflüssige Alltagsgegenstände werden auf www.netcycler.de , www.pamundo.com oder www.tauschboerse.de angeboten und gegen andere getauscht. Speziell für Kleider gibt es die Seite www.kleiderkreisel.de, die täglich 3 500 neu hinzukommende Artikel anbietet. Auf www.frents.de meldet man sich an,wenn man in der eigenen Wohnnähe von Privat Werkzeug ausleihen will. Auf www.mitwohnen.org erfährt man, wer eine Wohnung gegen Dienstleistungen wie Einkauf, Gartenpfl ege und so weiter vermietet. Wer Dienstleistungen tauschen will, sucht unter www.tauschboersearbeit.de oder www.exchange-me.de . Viele dieser Tausch- oder Leihaktionen gelingen am besten auf lokaler, möglichst nachbarschaftlicher Basis, wofür es inzwischen auch schon lokale Internetplattformen gibt. Sie finden sie, wenn Sie in die Suchfunktionen des Internets zum Beispiel »Tausch Dienstleistungen (Ortsangabe)« eingeben. Eine Liste mit 198 Tauschringen in Deutschland finden Sie unter www.tauschring.de . Statt zu tauschen können Sie nicht mehr gebrauchte Dinge übrigens auch an gemeinnützige Organisationen wie www.caritas.de , www.diakonie.de
oder www.oxfam.de spenden. Vom Verkauf finanzieren sie ihre gemeinnützige Arbeit.
Etwas aufwendiger, aber erlebnisreicher: Machen Sie eine Tauschparty! Fragen Sie Ihre Nachbarn und Freunde, was sie entbehren können beziehungsweise gerne hätten, und laden Sie sie dann mit diesen Dingen in Ihre Wohnung ein. Verbindet man eine solche Party mit einer kleinen Modenschau in gebrauchten Kleidern, wird daraus vielleicht ein Riesenspaß!
Tipps zur Durchführung einer Klamottentauschparty unter www.myself.de (Stichwort Swap-Party). Am aufwendigsten ist zweifellos das vertraglich geregelte gemeinsame Eigentum. Hier liefert das Carsharing Vorbilder. Näheres dazu unter www.reset.to . Erfolgreiche Beispiele finden sich auch beim Mietshäuser-Syndikat ( www.syndikat.
org ), einer Organisation, die gemeinschaftliche Wohn- und Bauprojekte unterstützt.

Wirkung: Für das Time Magazine ist 2012 gemeinschaftlicher Konsum eine von »zehn Ideen, die die Welt verändern«. Die Erfahrung vieler Menschen, dass eine gemeinsame Nutzung nicht so einschränkend ist, wie vielleicht befürchtet und sogar sozialen Gewinn bietet ist, entzieht der Konsumideologie tendenziell die mentalen Grundlagen. Tauschen
eliminiert Geld als Mittel, an seine Stelle tritt persönliche Beziehung. Leihen schafft Vertrauen. Die Organisation gemeinsamen Eigentums stärkt die Gemeinschaft.
Wie bei der Verwendung von Regionalgeld praktizieren Sie vorwegnehmend und exemplarisch eine andere Welt, die nicht von egoistischer Nutzenmaximierung bestimmt ist. Darüber hinaus ersparen Sie der Umwelt die Belastungen, die die Herstellung und die Entsorgung von überflüssigen Produkten mit sich bringen. Die möglichen Dimensionen werden deutlich, wenn man in Rechnung stellt, dass nach einer Studie des Bundesumweltministeriums aus dem Jahre 2012 ein Drittel der deutschen Konsumenten bereit sind, Geräte auszuleihen oder zu tauschen. Sicherlich denken viele dabei eher an die Einnahmen beziehungsweise Einsparungen und weniger an Umweltschutz oder an Konsumkritik, aber diese verschiedenen Motive schließen sich ja nicht zwangsläufi g
aus.

Aufwand: Je nach Aktionsart unterschiedlich. Die Durchführung des Tausches oder des Ausleihens erfordert einen gewissen zeitlichen Aufwand. Dieser fällt umso geringer
aus, je nachbarschaftlicher der Ablauf organisiert wird. Ein gewisser Vertrauensvorschuss muss auch vorhanden sein.

Risiken: Gering, aber insofern vorhanden, als Tausch, Ausleihen und so weiter meistens auf Vertrauen beruhen, das enttäuscht werden kann.

Spaßfaktor: Groß. Man trifft beim Tauschen, Leihen oder gemeinsamen Nutzen Menschen, und man arbeitet – meist erfolgreich – zusammen. Konsumforscher sehen als Ursache für den Trend zum gemeinsamen Konsumieren vor allem den Gewinn an Lebensgefühl und Lebensstil. Angehörige der älteren Generation, für die Sparsamkeit noch ein wichtiger Wert ist, werden das gute Gefühl haben, dass Brauchbares
nicht auf dem Müll landet.