Mit Flugblättern gezielt und persönlich informieren (Aktion 41)

Anlass: Wie beim Plakatekleben (vergleiche Aktion 40). Der Aufwand lohnt sich vor allem bei Themen mit lokalem und sehr aktuellem Bezug – zu bundesweit oder gar weltweit
interessierenden Themen haben meistens NGOs längst Kampagnen gestartet, Plakate geklebt oder auch Flugblätter verteilt. Flugblätter verteilen ist die Aktion der Wahl, wenn Sie eingehender über einen Missstand informieren möchten, als dies auf einem Plakat möglich wäre. Und wenn Sie unter Einbringung Ihrer Person überzeugen wollen!

Aktion: Bei der graphischen und inhaltlichen Gestaltung des Flugblatts gilt dasselbe Prinzip wie bei Plakaten. Eine große Überschrift beschreibt das Anliegen schlagwortartig
und soll Interesse zum Lesen des kleiner gedruckten Infotextes wecken. Am Ende ebenfalls in großer Schrift eine Forderung. Vorgeschrieben ist die Angabe eines Verantwortlichen im Sinne des Pressegesetzes »V. i. S. d. P.« mit einem Namen
und einer Adresse. Dieser Verantwortliche müssen nicht Sie sein, aber er haftet für den Inhalt des Flugblattes. Überlegen Sie sich dann, wo Sie die Leute antreffen, die Sie erreichen möchten. An Orten wie Bus- oder U-Bahn-Haltestellen gäbe es viel zu verteilen, die Leute warten und langweilen sich. Dort werden Sie aber auch Leute ansprechen,
die – wie zum Beispiel im Falle einer Kita-Aktion – gar nicht zum engeren Betroffenenkreis gehören. Vor Supermärkten findet man Menschen mit lokalem Bezug, aber die Leute sind
oft gehetzt und wenig kontaktbereit, vor allem wenn sie schwer beladen wieder herauskommen. Wichtig: Bleiben Sie im öffentlichen Raum, dann brauchen Sie keine Genehmigung (Ausnahme: Schulen, Behördengebäude, Verkehrsmittel oder Ähnliches).
Wenn Sie einen geeigneten Ort gefunden haben, gilt es, die Anzahl der Passanten pro Stunde abzuschätzen, um die Aufl age der Flugblätter zu ermitteln. Faustregel: Wenn Sie
Zeit für Gespräche mit näher Interessierten einkalkulieren, können Sie bei ungefähr jedem zehnten Passanten ein Flugblatt absetzen. Die Flugblätter im A4- oder A5-Format kopiert
man bei kleineren Aufl agen (Vorteil: Sie können rasch weitere Flugblätter kopieren), bei größeren Aufl agen kommt ein Druck oder ein Onlinedruckauftrag billiger (1 000 Stück
sind unter 20 Euro zu haben, allerdings bei Gefahr der Überschussproduktion!). Mit den Flugblättern in der Hand passiv herumstehen ist verschwendete Zeit. Nehmen Sie Blickkontakt auf, wenn ein Passant etwa zwei Meter vor Ihnen ist (nicht vorher, sonst
weicht er aus), und sprechen Sie die Passanten mit einem freundlichen »Für Sie« an. Wenn Ihnen dabei ein Lächeln gelingt, umso besser! Sagen Sie einen Satz dazu, zum Beispiel: »Wir müssen etwas für unsere Kindertagesstätte tun …!« Wel-ches Schlagwort zieht, bekommen Sie bald heraus. Wenn sich jemand näher interessiert, sollten Sie die Gelegenheit nutzen und ihn ins Gespräch ziehen. Vielleicht gewinnen Sie sogar einen
Mitstreiter! Weitere Tipps zum Flugblattverteilen unter www.kreativisten.org/flyeraktion sowie in dem Buch Handbuch für erfolgreiche Demonstrationen, Attacken, Aktionen
von Sandra Benz und Vera Warter (2011, Seite 51).

Wirkung: Ein Flugblatt wird meist nicht an Ort und Stelle durchgelesen, sondern mit nach Hause genommen und vielleicht von weiteren Personen gelesen. Man erreicht mit Flugblattverteilungen eine kleine Zahl von Menschen, kann aber seine Zielgruppe besser bedienen. Dass Sie als Person hinter der Sache stehen, erhöht die Überzeugungskraft, verringert sie eventuell aber auch, je nachdem, wie Sie auftreten.

Aufwand: Eine Flugblattverteilung muss nicht angemeldet werden, solange Sie allein verteilen. Flugblattverteilen bedeutet, ein bis zwei Stunden auf den Beinen zu sein,
Fremde ansprechen, auf Fragen antworten – das ist anstrengend! Hinzu kommen Zeit für das Texten und Layouten des Flugblattes und die Kosten seiner Herstellung. Nicht wenig
also insgesamt, aber auch nicht furchtbar viel.

Risiken: Gering. Juristisch gesehen, darf jeder im öffentlichen Raum ohne Genehmigung Flugblätter verteilen, solange er niemanden behindert. Enthält das Flugblatt Passagen,
die jemanden schädigen oder beleidigen, entsteht ein gewisses Risiko für den »V. i. S. d. P.«-Zeichnenden. Im Konfliktfall hat er jedoch das hoch angesiedelte Recht auf Meinungsfreiheit auf seiner Seite. Manchmal werden Passanten Sie beschimpfen – Sie werden rasch lernen, das abtropfen zu lassen!

Spaßfaktor: Groß, wenn die Verteilung läuft. Auch die
Gespräche, zu denen es regelmäßig kommt, können anregend
sein.