Dämmen Sie die Werbeflut wenigstens zu Hause ein (Aktion 15)

Anlass: Wir werden täglich mit Werbebotschaften bombardiert. Sie untergraben unsere Entscheidungsfreiheit, verführen uns zum Kauf überfl üssiger Dinge, sind oft aggressiv oder sexistisch. Unsere Briefkästen quellen vor unverlangten Prospekten über, deren Herstellung und Entsorgung die Umwelt belasten. Oft stören uns Telefonanrufe, in denen man uns Versicherungen und Geldanlagen aufzudrängen versucht. Und wer hat sich nicht schon über Lockvogelangebote geärgert, die meistens in kürzester Zeit ausverkauft sind? Dämmen Sie den Werbeirrsinn zumindest in den eigenen vier Wänden ein!

Aktion: Am leichtesten können Sie gegen die Werbeflut im Briefkasten vorgehen. Bringen Sie am Briefkasten einen Zettel an »Werbung macht dumm! Ich will keine Werbung,
besonders nicht: …«, und nennen Sie unerwünschte Werbeprodukte, eventuell auch werbelastige Stadtteilzeitungen beim Namen. Der Zusatz »Bei Nichtbeachtung erfolgt Anzeige « dient der Abschreckung. Ein solcher »Sperrvermerk« wird aber nur von Sonderzustellern einer werbenden Firma beachtet. Um gegen unerwünschte Postwurfsendungen vorzugehen, gibt es eine andere Möglichkeit: Tragen Sie sich in
die sogenannte Robinson-Liste der Deutschen Direktwerber ein (www.ddv-robinsonliste.de). An ihr orientieren sich viele werbende Firmen und schicken den Eingetragenen keine Werbung zu (und ersparen sich damit Portokosten). Einen
Rechtsanspruch darauf haben Sie allerdings nicht. Was tun, wenn trotzdem Werbung ins Haus fl attert? Zunächst sollten Sie den werbenden Unternehmer per E-Mail oder aus Beweisgründen per Fax (Adressen im Impressum des Werbeerzeugnisses) zur Unterlassung der Zusendung auffordern. Datum und Werbeprodukt der letzten Zusendung genau bezeichnen. Erfolgt danach ein weiterer Einwurf, können Sie die Sache einem Rechtsanwalt übergeben, der alle weiteren Schritte auf Kosten des Werbeunternehmens unternimmt: Abmahnung, dann einstweilige Verfügung.
Eine weitere Gegenmaßnahme: Werfen Sie als Werbung erkannte Post mit der Aufschrift »Annahme verweigert, zurück an Absender« ungeöffnet in den nächsten Briefkasten!
Das verursacht bei der Post Arbeit und beim werbenden Unternehmen eventuell Kosten für das Rückporto. Gegen die Werbebeilagen, die Zeitungen beigelegt sind und stets herausfallen, so dass man sich bücken muss, können Sie sich auf diese Weise leider nicht wehren. Hier könnte nur ein Protestbrief an die Herausgeber der Zeitung helfen.
Man wird ihn, wenn überhaupt, mit dem Hinweis beantworten, dass die beigefügte Werbung es möglich macht, die Zeitung am Leben zu erhalten.

Lassen Sie sich auch lästige Werbetelefonanrufe nicht gefallen! Auf www.wettbewerbszentrale.de finden Sie Formulare mit entsprechenden Beschwerdetexten gegen Telefonwerbung und telefonisch untergeschobene Verträge, gegen nicht vorhandene Lockvogelangebote in Geschäften sowie gegen andere unerlaubte oder irreführende Werbungen. Als Beweise genügen auch eidesstattliche Erklärungen, die auf der Webseite vorformuliert sind. Falls Sie wiederholt von Werbeanrufen von derselben Nummer genervt werden, gibt es folgende Möglichkeiten: Mailen Sie Ihrem Telefonanbieter beziehungsweise gehen Sie in seinen Shop und verlangen Sie die Abschaltung der unerwünschten Nummer. Auch auf Ihrem
Handy können Sie unerwünschte Nummern sperren lassen (zu fi nden in der Regel über »Einstellungen«). Es wäre übrigens keineswegs unhöflich, bei unerwünschten Werbeanrufen kommentarlos aufzulegen!
Auch gegen aggressive oder sexistische Werbung in Rundfunk- und Fernsehprogrammen kann man sich wehren. Die Landesmedienanstalten bieten unter www.programmbeschwerde.de entsprechende Möglichkeiten, was bequem ist, da Beschwerden direkt an die zuständigen Redaktionen weitergeleitet werden. Auch der Deutsche Werberat (www.werberat.de) ist eine Adresse für Beschwerden über
alle Arten kommerzieller Werbung, auch über Prospekte und Außenwerbung. Bleiben schließlich lästige E-Mails mit Werbeangeboten, die irgendwie zu Ihnen gelangen. Aktivieren Sie Ihren Spamfi lter, und geben Sie die Absenderadressen in die
Spamliste ein, dann entfällt das lästige Wegklicken!

Wirkung: Die Chancen, mit diesen Schritten die Werbeflut in Ihrem Haus einzudämmen, stehen gut. Mit dem Sperrvermerk setzen Sie auch gegenüber Nachbarn ein Zeichen
gegen den Werbeirrsinn. Ganz unproblematisch von ihren Wirkungen ist auch diese Aktion nicht: Man könnte einwenden, dass Sie mit ihr der Werbung helfen, Kosten einzusparen (keine Werbung an Werbemuffel).

Aufwand: Gering. Das Anbringen eines Sperrvermerkes und ein Unterlassungsschreiben machen wenig Arbeit. Weitere Schritte übernimmt ein Anwalt auf Kosten der Werbefirma.

Risiken: Keine.

Spaßfaktor: Tägliche Zufriedenheit, wenn man die Werbung im Briefkasten nicht mehr entsorgen muss.