Heikle Behördengänge nur mit Begleitschutz! (Aktion 8)

Anlass: Es gibt Behördengänge, vor denen man zu Recht etwas Angst hat. Beispielsweise wenn es um Hartz-IVAngelegenheiten geht oder um Fragen im Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit, Mietzuschüssen oder Krankheit. Hier müssen Sie manchmal Ihre Interessen gegenüber einem Sachbearbeiter vertreten, der rasch und ohne Berücksichtigung des Einzelfalls entscheiden will. Besonders anzuraten ist Begleitschutz bei Untersuchungen bei einem Amtsarzt. Sie unterstehen bei Beschwerden nicht der Ärztekammer, sondern den jeweiligen Bezirksämtern. Gehen Sie also nicht allein zu »heiklen« Ämtern, sondern in Begleitung eines Bekannten! Dazu haben Sie nach Sozialgesetzbuch X, Paragraph 13 das Recht. Sie werden sich nicht nur persönlich sicherer fühlen. Wenn Sie mit einem »Beistand« (so heißt Ihre Begleitung im Amtsdeutsch) auf einem Amt erscheinen, signalisieren Sie: »Ich bin ein Bürger, der sich nicht über den
Tisch ziehen lassen will«.

Aktion: Suchen Sie einen hilfsbereiten Bekannten, der für Sie zwei Stunden aufbringt. Er sollte nicht näher mit Ihnen verwandt sein, damit er eventuell später als Zeuge glaubwürdig auftreten kann. Ihr Begleiter muss nicht unbedingt einschlägige Fachkenntnisse oder Erfahrung besitzen. Wichtig ist, dass Sie ihn vorher über Ihren Fall instruiert haben. Wenn er selbst bereits in ähnlicher Sache auf dem Amt war, wäre das natürlich ideal. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Erwerbslosen und Sozialhilfeinitiativen vermittelt erfahrene örtliche Begleitpersonen (www.my-sozialberatung.de/adressen). Eine Aktionsvariante könnte darin Gebestehen, dass Sie sich selbst als Begleiter für andere zur
Verfügung stellen. Es genügt bereits, wenn Ihr Begleiter während des Gespräches stumm dabeisitzt. Wenn Sie befürchten, dass Sie die Beherrschung verlieren könnten, was bei für Sie existentiell wichtigen Entscheidungen verständlich wäre, sollten Sie vorher verabreden, wie Ihr Begleiter eine Eskalation verhindern kann (zum Beispiel indem er seine Hand auf Ihre Schulter legt). Ihr Begleiter kann sich auch ins Gespräch einmischen, wenn Sie im Eifer des Gefechts etwas vergessen haben. Aber Achtung: Alles, was Ihr Begleiter sagt, wird so protokolliert, als ob Sie es selbst gesagt hätten, auch wenn es zu Ihrem Nachteil ausfällt!

Wirkung: Die bloße Anwesenheit eines Dritten (und potentiellen Zeugen) kann Wunder bewirken! Sachbearbeiter schalten plötzlich auf freundlich und werden erstaunlich korrekt
und entgegenkommend. Sie selbst werden sich sicherer fühlen. Wenn Sie später die Entscheidung gerichtlich anfechten wollen, haben Sie einen Zeugen und einen besseren juristischen Stand. Man könnte einwenden, dass die Anwesenheit eines Dritten einen Sachbearbeiter abhalten könnte, zu Ihren Gunsten eine trickreiche, die Vorschriften etwas umgehende Lösung zu finden. Das ist unwahrscheinlich: Sachbearbeiter verletzen Amtsvorschriften nicht! Und wenn Entscheidungsspielräume existieren, wird ein anwesender Dritter einen Sachbearbeiter eher motivieren, sie zu Ihren Gunsten zu nutzen
und sich damit als bürgernah zu präsentieren.

Aufwand: Gering. Man muss jemanden motivieren, zwei Stunden zu investieren, oder über Organisationen eine Begleitung finden. Wenn Sie selbst Begleiter sind, ist der gefühlte Aufwand größer.

Risiken: Keine.

Spaßfaktor: Die Anlässe verhindern meist das Aufkommen
freudiger Gefühle. Aber man fühlt sich sicherer.