In sozialen Netzwerken mitdiskutieren (Aktion 10)

Anlass: Was tun, wenn Ihnen Protestaufrufe, die Sie in den gängigen Plattformen fi nden, als zu oberfl ächlich erscheinen? Wenn Sie Ihre Meinung differenzierter darlegen
oder wenn Sie diskutieren möchten?

Aktion: Verbreiten Sie Ihre Meinung in sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook, Google+ oder Youtube! Auch Tageszeitungen, Ministerien, Unternehmen bieten auf ihren Webseiten Diskussionsforen (»chats«) oder Kommentarfunktionen an. Oft muss man sich dazu nicht eigens anmelden, vor allem auf Nachrichtenseiten und Blogs. Bei den meisten sozialen Netzwerken hingegen ist Voraussetzung, dass Sie vorher mit Namen und E-Mail-Adresse einen Account angelegt haben. Manchmal werden sogar weitere persönliche Daten verlangt. Tipp: Bei Eingabe Ihrer Handynummer oder Postanschrift merkt das Internet nicht, ob Sie sich vertippt haben! Danach können Sie mit Namen oder unter einem Decknamen mitdiskutieren. Es gibt in vielen sozialen Netzwerken auch die Möglichkeit, ein neues Diskussionsforum zu
einem Thema Ihrer Wahl einzurichten.

Wirkung: Sie beeinflussen die Meinungsbildung im Internet. Ihre Äußerung erreicht zwar nur die Teilnehmer des jeweiligen Forums beziehungsweise Ihr soziales Netzwerk, also eine vergleichsweise kleinere Zahl von Menschen. Dafür können Sie sie differenziert äußern und gezielt auf Meinungsäußerungen anderer Forumsteilnehmer antworten.
Mit dem größten sozialen Netzwerk, Facebook, erreichen Sie vor allem 14- bis 29-Jährige, es wird heute von 67 Prozent dieser Altersgruppe genutzt (nur 24 Prozent der über 50-Jährigen tun das). Nicht zu unterschätzen ist eine indirekte Wirkung. Beobachter in Politik und Unternehmen verfolgen die Diskussionen in Foren inzwischen sehr aufmerksam, um Meinungstrends auf die Spur zu kommen. Auch Sie selbst werden profi tieren: In Chats wird man mit Meinungen konfrontiert, auf die man sonst vielleicht nicht gestoßen wäre und erfährt oft Interessantes.

Aufwand: So bequem wie das Unterzeichnen eines Onlineprotests ist die Teilnahme an einem Internetdiskussionsforum nicht. Sie müssen selbst formulieren und schreiben, dabei auch besondere Ausdrucksweisen, Abkürzungen, Symbole erlernen, wie sie sich in den Communitys inzwischen eingebürgert haben. Die meisten Foren sind anmeldepflichtig,
was zur Folge hat, dass Sie viele Decknamen und Passwörter zu verwalten haben.

Risiken: Sie können Ihre Meinung in Foren zwar unter einem Decknamen äußern, aber Achtung: Kommerzielle Betreiber von sozialen Netzwerken wie Google oder Facebook
legen an Hand Ihrer Äußerungen ein Profi l Ihrer Person an. Unerwünschte Mails oder auf Sie zugeschnittene Werbebanner sind noch die harmloseste der möglichen Folgen. Und in
wessen Hände Ihre informationellen Fußabdrücke künftig geraten, hängt von unübersehbaren technischen und juristischen Entwicklungen ab. Generell wird im Internet vollkommene Anonymität nicht herstellbar sein, wie die spektakulären Hackeraktionen immer wieder beweisen – wie auch die Enttarnung von Hackern selbst.

Spaßfaktor: Es hat seinen eigenen Reiz, mit Unbekannten zu diskutieren. Für manche ist die Diskussion in Foren sogar ein Ersatz für fehlende Sozialkontakte. Und es kann zutiefst befriedigen, im Schutz der Anonymität endlich einmal ungeschminkt zu sagen, was man denkt. Manche Beiträge in Foren sind unterhaltsam, oft stößt aber auch ein rüder, manchmal sogar hasserfüllter Diskussionsstil ab. Stellen Sie sich in Foren und Chats auf persönliche Beleidigungen ein, die auch dann seelisch belasten, wenn man Sie per Decknamen beschimpft!