Demnächst im Supermarkt: Einkaufskorb mit unfair hergestellten Waren stehenlassen (Aktion 20)

Anlass: Wie bei Kaufboykotten, siehe Aktion 14.

Aktion: Wenn Sie das nächste Mal im Supermarkt einkaufen, könnten Sie einen Einkaufswagen mit Waren einer kritikwürdigen Firma vollpacken, beispielsweise mit Schokolade- und Kakaoprodukten, und den Korb irgendwo im Supermarkt stehen lassen. Legen Sie ein Blatt Papier mit einer handgeschriebenen Botschaft dazu, zum Beispiel »Müller-Milch zahlt zu wenig Steuern«. Der Supermarktmanager soll ja wissen, warum er die Waren wieder einräumen lassen muss!

Wirkung: Generell wie bei Kaufboykotten mit dem Vorteil, dass der Protest deutlicher zum Ausdruck kommt. Der Druck auf das verantwortungslos produzierende Unternehmen kommt dabei indirekt, über den Einzelhandel zustande. Der personell knapp kalkulierte Betrieb eines Supermarkts wird gestört, der Korbinhalt muss wieder eingeräumt werden. Der Manager wird mit Ihrem Protest konfrontiert, eventuell auch andere Kunden. Kommt es zu mehreren solcher Vorfälle, wird der Manager sie der Konzernzentrale melden. Die Zentrale wiederum wird die Vorfälle bei den künftigen Einkaufsverhandlungen mit der produktherstellenden Firma verwenden, beispielsweise um die Einkaufspreise zu drücken, vielleicht sogar um auf Abhilfe der Missstände zu drängen. So kommt Ihr im Supermarkt erzeugter kleiner Druck schließlich bei der Firma selbst an! Auch wenn nicht genau abschätzbar ist, ob der Konsumentendruck dieses Ziel tatsächlich erreicht: In jedem Fall haben Sie Ihrem Supermarkt nachdrücklich signalisiert, dass Sie mit den Herstellungsbedingungen dieses Produktes nicht einverstanden sind. Kundenreaktionen werden in dieser Branche sehr aufmerksam registriert! Bei zahlreicher Nachahmung wäre die Aktion ziemlich wirkungsvoll. Sie erzeugt ökonomischen Druck und klärt gleichzeitig auf, was der stille, persönliche Kaufboykott nicht tut.
Diese Aktion wird viele zunächst befremden, weil sie auf dem Rücken schlechtbezahlter Supermarktangestellter stattzufinden scheint, die ja alles wieder einräumen müssen. Aber
wäre sie für die Angestellten wirklich unzumutbar? In der Regel bekommen die Mitarbeiter bestimmte Aufgaben zugewiesen, mit denen sie ausgelastet sind. Wenn durch solche
Aktionen regelmäßig neue Arbeit anfällt, wird das Management früher oder später Hilfskräfte einstellen müssen. Aber in der Tat zeigt sich hier erneut, dass der berechtigte Druck der Zivilgesellschaft auch unerwünschte Nebenwirkungen haben kann. Jeder muss sie für seine Aktion und seinen Anlass abwägen. Vielleicht darf man hoffen, dass ein Einkaufswagen voll Kakao und Schokolade mit der Aufschrift »50 Prozent Kinderarbeit« ein bisschen Verständnis auch bei schlechtbezahlten Angestellten hervorruft.

Aufwand: Auch hier steht vor der Aktion viel Informationsarbeit. Sie müssen ja schließlich wissen, welche Waren sie einpacken und stehenlassen wollen (dazu Aktion 14). Ansonsten tun Sie nicht viel mehr, als Sie im Supermarkt ohnehin tun, nämlich Waren in den Einkaufswagen zu packen.

Risiken: Bei der knappen Personalausstattung heutiger Supermärkte ist das Risiko, »erwischt« zu werden, gering. Nach mehreren solcher Aktionen im gleichen Supermarkt
könnte es passieren, dass verstärkt beobachtet wird (über die Kameras an der Decke). Also am besten den Supermarkt nach zwei bis drei Aktionen wechseln! Falls Sie vom Personal bemerkt und zur Rede gestellt werden, könnten Sie mit lauter Stimme erläutern, warum Sie das tun – eine Gelegenheit, andere Kunden auf die Missstände bei der Firma XY aufmerksam zu machen!
Selbst wenn man Sie erwischen sollte und der Supermarkt die Angelegenheit juristisch weiterverfolgen will: Die Folgen sind relativ harmlos, man kann Ihnen Hausverbot erteilen.
Deswegen entferntere Supermärkte als Tatort wählen, nicht den, auf den Sie angewiesen sind. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung. Wenn Sie verlieren, müssten Sie die Gerichtskosten (in solchen Fällen geringer Streitwert!) übernehmen sowie die Kosten für die Wiedereinräumung der Waren ersetzen. Dazu
wird es aber wahrscheinlich nicht kommen. Der Handel scheut erfahrungsgemäß gerichtliche Auseinandersetzungen bei Vorfällen mit ethisch motiviertem Hintergrund.

Spaßfaktor: Ein Gefühl diebischer Freude, wenn man den vollen Einkaufskorb irgendwo im Supermarkt stehen lässt, gemildert durch Mitgefühl für die Angestellten, die ihn
wieder einräumen müssen!