Konto kündigen und zu einer verantwortungsvollen Bank wechseln (Aktion 23)

Anlass: Viele Banken haben verantwortungslos spekuliert, und die Steuerzahler mussten sie mit Milliardenbeträgen retten. Banken zocken nach wie vor mit riskanten Papieren, spekulieren mit Nahrungsmitteln, machen Geschäfte mit Herstellern international verbotener Streuminen oder investieren in Atomkraft. Fast alle Großbanken vermeiden
mithilfe von Steueroasen Steuern und verstecken üble Geschäfte in Schattenbanken und Zweckgesellschaften. Vielleicht sind Sie wie viele andere auch schon einmal Opfer von unfairen Beratungspraktiken einer Bank geworden, die Ihnen toxische Papiere andrehen wollte oder für Kontoüberziehungen überhöhte Zinsen oder Gebühren verlangte. Kurzum:
Selten haben sich Bürger und selbst Politiker so ohnmächtig gefühlt wie in den vergangenen Jahren. Hier schreit es geradezu nach zivilgesellschaftlichem Widerstand!

Aktion: Prüfen Sie das Sündenregister Ihrer Bank! Klare Antworten liefert ein Banken-Rating von Attac Deutschland, in dem die wichtigsten deutschen Banken unter den Aspekten Spekulationsgeschäfte, Steuervermeidung, Investitionen in Rüstung und Atom und Politikbeeinflussung geprüft wurden (www.attac.de, Suchwort »Krötenwanderung«). Weitere Informationsquellen finden Sie im Anhang dieses Buches. Falls Sie ein Konto bei der Deutschen Bank oder ihrer Tochter Postbank, bei der Commerzbank, HypoVereinsbank oder anderen privaten Großbanken haben, werden Sie danach be-
stimmt motiviert sein, dieses samt Depot zu kündigen. Die einzelnen Schritte erläutert eine Checkliste von Attac Deutschland. Wichtig: Erläutern Sie im Kündigungsbrief auch die Gründe, zum Beispiel: »Ich bin mit Ihrer Geschäftspolitik – Spekulation mit Derivaten, Aktivitäten in Steueroasen … – nicht einverstanden …« – die Bank soll ja auch wissen, warum ihr die Kunden weglaufen! Geben Sie im Kündigungsbrief die Bankverbindung an, zu der Ihre Barbestände und Anlagen transferiert werden sollen, Ihre alte Bank muss alles umgehend und kostenlos ausführen. Zuvor gilt es, ein Konto und ein Depot bei einer neuen Bank zu eröffnen, die verantwortungsvoller wirtschaftet. Aber bei welcher? Im Attac-Rating schneiden Triodos Bank, UmweltBank, EthikBank sowie die anthroposophisch orientierte GLS-Bank (Träger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2012) gut ab, unter Einschränkungen auch die Volks- und Raiffeisenbanken, die Sparda-Bank und viele Sparkassen. Berücksichtigen Sie aber auch die Servicequalität der neuen Bank, zum Beispiel die Größe des Automaten- und Niederlassungsnetzes (sie
ist bei den letztgenannten Banken meistens besser). Nähere Informationen unter www.bankwechsel-jetzt.de oder www.utopia.de/ratgeber/gruenes-banken-brevier-alternative-bankinstitute. Wenn Sie nicht ganz unvermögend sind, käme für Sie auch eine Depotverlagerung zu einer Bank in Betracht, die auf Honorarbasis berät und verwaltet (zum Beispiel die Quirin Bank). Dann können Sie vorgeben, wie Ihr Geld angelegt wird,
und beispielsweise Investitionen in Rüstungsfirmen ausschließen.

Wirkung: Auch die neue Bank investiert Ihr Geld. Es landet jetzt aber nicht mehr bei Firmen, die Geschäfte in Atomkraft, Gentechnik, Rüstungsgüter oder Agrarfonds tätigen.
Einige ethisch verpflichtete Banken investieren bevorzugt in die Energiewende oder in den genossenschaftlichen Wohnungsbau. Mit Ihrem Kontowechsel üben Sie Druck auf die
großen Banken aus, verantwortungsvoller zu wirtschaften. Auch große Banken müssen ihr Kundengeschäft ausbauen, davon zeugt die Übernahme der Postbank durch die Deut-
sche Bank. Kontokündigungen in größerem Ausmaß wären ihnen unangenehm – sie verlieren Kontogebühren, Einnahmen aus Überziehungskrediten, eventuell Depotstimm-
rechte, und selbst Ihre Kreditschöpfungs- und Eigenkapitalstrategien sind tangiert. Alternative Banken haben ihre Chancen im Kampf um den Kleinkunden übrigens bereits erkannt: Triodos Bank, Sparda-Bank und UmweltBank begrüßten 2011 in Presseerklärungen ethische Bankwechsler und boten ihnen zum Teil Sonderkonditionen.
Bankenwechsel zielt darüber hinaus auf die Politik. Wenn Sie sich zum Bankwechsel entschließen, unterstreichen Sie die Ernsthaftigkeit Ihrer Kritik am Bankwesen und ermuti-
gen so Politiker, den Bankensektor endlich wirksam zu regulieren, zum Beispiel durch Trennung von Kundengeschäft und Investmentbanking, durch Verbot des Handels mit be-
sonders riskanten Derivaten oder durch eine Finanztransaktionssteuer.

Aufwand: Auch wenn man die Hilfen von Attac nutzt, kann ein Bankwechsel aufwendig werden; er ist nicht mit einem Klick auszuführen wie der Wechsel hin zu einem Ökostromanbieter. Mit der Eröffnung eines neuen Kontos und einem Kündigungsbrief ist es ja nicht getan. Danach heißt es, Daueraufträge und -eingänge, Einzugsberechtigungen und so weiter umzustellen, wozu man Adressen recherchieren und Briefe schreiben muss. Manchmal klappen die Umstellungen nicht sofort und erfordern weitere Schritte. Die neue Bank hilft in der Regel bei diesen Umstellungsarbeiten (man kann die Kontoeröffnung notfalls davon abhängig machen). Tipp: Kreuzen Sie auf den Kontobelegen der alten Bank die umzustellenden Daueraufträge und Abbuchungserklärungen an, alles weitere erledigt die neue Bank. Lästig ist ein Bankwechsel aber immer: Sie müssen sich an neue Kontonummern, Geheimzahlen, Überweisungsverfahren und so weiter gewöhnen. Großbanken bieten oft bessere
Zinsen (oder behaupten das in aufwendiger Werbung). Wä gen Sie für sich selbst realistisch ab, wie viel dieser Zinsvorteil unter dem Strich tatsächlich ausmacht (Kontogebühren, Überziehungszinsen, Kleingeducktes und so weiter einbezogen) und ob ein besseres Gewissen nicht wertvoller ist.

Risiken: Keine.

Spaßfaktor: Gutes Gefühl wie bei allen widerständigen Aktionen, aber etwas eingetrübt durch den bürokratischen Aufwand und durch Sorge um den funktionierenden Zahlungsverkehr während der Kündigungsprozedur. Umso zufriedener werden Sie hinterher sein!