Per Aufkleber protestieren (Aktion 19)

Anlass: Wie beim Kaufboykott. Es geht gegen Unternehmen, die verantwortungslos wirtschaften, zum Beispiel im Zusammenhang mit Kinderarbeit, Umweltzerstörung,
Steuerfl ucht, Hungerlöhnen, Unterdrückung von Gewerkschaften. Da die kleinen Aufkleber nur sehr knappe Informationen tragen können, beispielsweise »enthält 30 Prozent Kinderarbeit«, »0,3 Prozent gehen an die Näherinnen« oder »Genprodukt!«, muss ein gewisser Informationsgrad in der Öffentlichkeit bereits vorhanden sein. Auf völlig neue Probleme wird man per Aufkleber kaum hinweisen können.

Aktion: Voraussetzung ist, dass Sie einen Kurztext (höchstens fünf bis sechs Wörter) gefunden haben, der einen Missstand griffi g zum Ausdruck bringt. Dann beschaffen Sie
sich beschriebene Aufkleber (selbstklebend, etwa zwei mal vier Zentimeter groß, schwarz-weiß). Man gibt sie in größerer Zahl entweder in gut sortierten Bürobedarfsgeschäften oder im Internet in Auftrag (Suchwort »selbstklebende Etiketten
«). Wenn NGOs bereits eine Kampagne gegen ein Unternehmen gestartet haben, kann man sie manchmal auch bei ihnen beziehen. Die Aktion selbst geschieht eher beiläufi
g während eines Einkaufes. Sie tragen die Aufkleber griffbereit in der Tasche. Wenn Sie an den Waren der zu attackierenden Firma vorbeikommen, kleben Sie auf möglichst viele
Produkte ein Etikett auf; desgleichen auf Werbeplakate oder -ankündigungen für die Produkte. Nach kurzer Zeit bekommt man Übung im beiläufi gen Aufkleben.

Wirkung: Auch kleine Aufkleber fallen im Regal als Störung im gewohnten Produktbild auf. Sie veranlassen die Konsumenten gerade wegen der knappen Botschaft zum
Nachdenken (»Was meinen die damit? Ach ja, da habe ich doch was gelesen …«). Da bei der Fülle unserer Konsumangebote die Kauf alternativen gleich daneben liegen, werden
viele das gebrandmarkte Produkt meiden. Sie initiieren mit Ihrer Aktion Kaufboykotte (zu deren Wirkung vergleiche Aktion 14) und halten die Erinnerung an Missstände frisch!

Aufwand: Mittel. Die Beschaffung der Etiketten ist nicht schwer und kostet auch nicht viel (1 000 Etiketten zwischen 6,90 und zehn Euro). Die Aktion selbst läuft während Ihres
Einkaufs gewissermaßen mit und verursacht nur am Anfang ein bisschen Herzklopfen.

Risiken: Mäßig. Zu heftige Anschuldigungen (zum Beispiel »Nestlé = Mörder!) sollten Sie vermeiden, sie könnten im Extremfall zu Klagen führen. Am ehesten werden Sie über die an den Decken angebrachten Kameras ertappt. Die Geschäftsleitung müsste aber einen Schaden nachweisen, um Sie zivilrechtlich zu belangen, zum Beispiel einen durch die Aufkleber verursachten Umsatzeinbruch, was nicht einfach ist. Eine Schädigung der Waren kann kaum geltend gemacht werden, wenn man wieder abziehbare Aufkleber nimmt. Im Falle des Ertapptwerdens droht ein Hausverbot. Wer auf ein bestimmtes Geschäft angewiesen ist, sollte daher Aktionen dort vermeiden.

Spaßfaktor: Das heimliche Aufkleben, das diskrete Umschauen
nach Angestellten und Deckenkameras machen den
Einkauf abenteuerlich!