Kleinaktie kaufen und auf Hauptversammlungen gehen (Aktion 42)

Anlass: Gemeinwohlschädigendes Wirtschaften von Aktiengesellschaften aller Art. Die Deutsche Bank bietet immer wieder Anlässe: Sie spekuliert mit Nahrungsmitteln, ist in Korruptionsskandale verwickelt und so weiter und so fort. Auch Unternehmen der Finanzbranche, der Rüstungsindustrie, der Energiewirtschaft oder des Textileinzelhandels weisen ein stattliches Sündenregister auf. Aktuelle Einzelheiten sind beispielsweise nachzulesen unter www.kritischeaktionaere.de (Startseite und unter Konzernstudien), im Schwarzbuch Markenfirmen (Klaus Werner, Hans Weiss) und den anderen im Anhang angegebenen Informationsquellen. Als Aktionär und damit als Miteigentümer könnten Sie auf der jährlichen Hauptversammlung Einfluss in Richtung einer akzeptableren Geschäftsführung nehmen!

Aktion: Suchen Sie sich in den oben genannten Informationsquellen eine Aktiengesellschaft aus, deren Geschäftstätigkeit Sie besonders empört, am besten ein Unternehmen, das auch auf der Agenda der Vereinigung »Kritische Aktionäre« steht. Geben Sie Ihrer Bank die Anweisung, genau eine Aktie dieses Unternehmens zu kaufen. Falls Sie bei Ihrer Bank kein Depot haben: Bei einigen Banken wie der Ing-DIBA können Sie über das Internet rasch und kostenlos ein Depot einrichten. Notfalls kann man die Aktie auch auf das Depot eines Freundes überweisen lassen. Nun wäre der bequemste Weg, Ihre mit dem Aktienbesitz verbundenen Stimmrechte an den Dachverband der kritischen Aktionäre und Aktionärinnen zu übertragen. Dessen Vertreter streiten seit 25 Jahren auf Hauptversammlungen für eine gemeinwohlorientiertere Geschäftspolitik, im Jahre 2012 allein in Deutschland auf 24 Hauptversammlungen. Sie üben auch Druck in Form von Pressemitteilungen oder Kampagnen aus. Je mehr Aktionäre und deren Aktienanteile sie vertreten, desto größer ist ihr Einfluss. Die Übertragung einer Kleinaktie ist daher nicht sehr sinnvoll, man müsste schon mehrere Aktien gekauft haben. Der einflussreichere, aber aufwendigere Weg erfordert Ihre persönliche Teilnahme an der jährlichen Hauptversammlung der Aktiengesellschaft. Sie finden meist im April und Juni am Firmensitz statt, eine Einladung wird Ihnen unaufgefordert zugeschickt. Dort können Sie über die Grundlagen der Geschäftsführung abstimmen und einen neuen Aufsichtsrat wählen, der für eine verantwortungsvollere Geschäftspolitik steht. Wichtiger ist Ihr Rede- und Auskunftsrecht. Melden Sie einen Redebeitrag an, gehen Sie ans Mikrophon, und stellen Sie kritische Fragen und Forderungen an die zukünftige Geschäftsführung! Wenn
Sie mit kapitalkritischen Tönen auftreten, werden die anderen Aktionäre ihre Ohren vermutlich auf Durchzug stellen. Chancen auf Gehör haben Sie eher, wenn Sie mit der
Attitude eines Kapitaleigners auftreten, der Rendite haben will, aber ethisch vertretbare. Wie es einer Kleinaktionärin erging, die auf einer Hauptversammlung von Eon kritische
Töne anschlug, kann man in dem Buch Radikal mutig. Meine Anleitung zum Anderssein von Hannah Poddig (2009, Seite 46 ff.) nachlesen.

Wirkung: Eine Hauptversammlung ist eine firmenintern sensible Veranstaltung. Bei vielen Entscheidungen im späteren Alltagsgeschäft bleibt der Verlauf der letzten Hauptversammlung in Erinnerung, auch die dort geäußerten kritischen Stimmen. Daher können kritische Aktionäre Eindruck hinterlassen, der nicht ihrem stimmenmäßigen Gewicht entspricht. Dem Druck kritischer Aktionäre ist es beispielsweise mit zu verdanken, dass Daimler (Chrysler) als erster deutscher Autokonzern den serienmäßigen Einbau eines Rußpartikelfilters in seine Fahrzeugflotte beschloss. Ein grundlegendes Problem der kritischen Aktionärsarbeit aber bleibt: Bei vielen Aktiengesellschaften
überstimmen Großaktionäre kritische Anträge einfach ohne lange Diskussion. So beschlossen die Mehrheitsaktionäre auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank 2012 trotz heftiger Kritik vieler Aktionäre, das Investmentgeschäft auszubauen. Sehen Sie die kritische Ausübung Ihres Stimmrechtes auch unter dem Aspekt der Öffentlichkeits-
wirksamkeit: Auf Hauptversammlungen sind die Medien dabei, und sie berichten gern, wenn Aktionäre – also Kapitalisten – ein moralischeres Wirtschaften fordern.

Aufwand: Nicht wenig. Zunächst viel Informationsbeschaffung, man muss ja wissen, was man einer Aktiengesellschaft vorwirft. Dann die Kosten des Aktienkaufs, eine Aktie
von ThyssenKrupp kostete Anfang 2013 beispielsweise 29 Euro, hinzu kommen die Reisekosten zur Hauptversammlung. Schließlich die Vorbereitung der Rede und der Mut, den Sie aufbringen müssen, um vor sehr vielen Leuten zu sprechen, die Sie manchmal feindselig unterbrechen werden!

Risiken: Keine, es sei denn, Sie haben die Aktie zu teuer eingekauft.

Spaßfaktor: Der Gedanke, mit einer Aktie im Werte von 29 Euro Geschäftspolitik mit beeinflussen zu können, wird vielen gefallen! Außerdem sind Hauptversammlungen Me-
gaevents mit hohem Unterhaltungswert und Nervenkitzel: Sie schauen dem Raubtierkapitalismus ins Gesicht!