Mit Denkmälern und Ortstafeln zum Nachdenken anregen (Aktion 37)

Anlass: Denkmäler oder Straßennamen sollen die kollektive Erinnerung bewahren und Menschen, die vorbeikommen, zum Nachdenken animieren. Gerade wegen ihrer alltäglichen Präsenz können sie politisch subtil beeinflussen, ja ideologisieren. Man denke etwa an die unkritische Glorifizierung von Heldentum durch Kriegerdenkmäler. Ein Beispiel für das Nachdenken, das listig veränderte Denkmäler anstoßen können, bot der – inzwischen leider entfernte Graffito »Tut uns leid, war nur so eine Idee« auf dem Marx-Engels-Monument in Berlin. Oder der Streit um den nach einem verurteilten Kriegsverbrecher benannten Völklinger Stadtteil »Hermann-Röchling-Höhe«. Als der Stadtrat ihn nach anhaltender Kritik halbherzig in »Röchling-Höhe« um- taufte, hängten Bürger an die Stadtteilschilder ein Zusatzschild, auf dem auf die Verbrechen des Namensgebers hingewiesen wurde. Verbreitet sind heute Ortstafeln mit Zusatzschildern »genfreie Zone«, (früher oft »atomwaffen- freie Zone«). Denkmäler sind auch für aktuelle kritische Botschaften
nutzbar. So heftete ein Unbekannter einem Kriegerdenkmal in Feldmoching bei München 2011 ein Transparent mit einem Ausspruch des ehemaligen Bundespräsidenten Horst
Köhler über die Bundeswehr an: »… im Notfall ist auch militärischer Einsatz notwendig, um unsere Interessen zu wahren«. Der Kampf um die symbolische Deutung beziehungs-
weise Umdeutung der 1,2 Millionen geschützter Denkmäler und der vielen Ortstafeln in Deutschland sollte geführt werden!

Aktion: Beginnen Sie mit einer Inspizierung von Denkmälern an Ihrem Wohnort! Alle Arten von Denkmälern, auch die der vielen Fürsten, Feldherren oder Geistesgrößen, eignen sich, sofern ein inhaltlicher Bezug zur Botschaft herstellbar ist. Während der Inspizierung werden Ihnen vielleicht schon die ersten Botschaften und Möglichkeiten für die Anbringung einfallen. Achten Sie auch auf die Inschriften an vielen Denkmälern. Sie lassen sich ergänzen oder umformulieren und erhalten so einen anderen, kritischen Sinn. Dann heißt es warten, bis ein aktueller Anlass gegeben ist. Wenn Sie sich für die Anbringung eines Transparents entschieden haben: Nehmen Sie regen- und windfestes Plastik, und beschriften Sie es mit wasserresistenten Filzschreibern. Gut gegen Wind verzurren! Auch über Symbole lassen sich kritische Bezüge herstellen. Beispielsweise an den verbreiteten Justitia-Monumenten mit ihrer Waage, die Gerechtigkeit symbolisiert. Hier kann man schief gezeichnete Waagen anbringen und Fehlurteile, ungleiche Vermögensverteilungen oder andere als ungerecht empfundene Zustände thematisie-
ren.

Wirkung: Denkmäler sind vertrauter Teil der Wohnumgebung. Sie stiften lokale Zugehörigkeit, signalisieren gemeinsame oder gemeinsam abgelehnte Weltbilder, mit ihnen verbinden sich vielleicht persönliche Erinnerungen. Eine Störung vertrauter Denkmäler durch verfremdete Botschaften fällt auf und provoziert zum Nachdenken. Dazu muss für den Betrachter aber ein inhaltlicher Bezug zwischen Denkmal und Botschaft herstellbar sein. Nutzte man Denkmäler nur als bloßen Träger für Transparente, etwa wenn man an einer Mozart-Statue eine Tafel »Nazis stoppen!« anbrächte, würde man der Botschaft vermutlich schaden. Bei gelungener »Schändung« eines Denkmals bestehen gute Chancen, in die örtlichen Medien zu kommen. Notfalls kann man auch
ein Bild oder ein Video der Aktion bei YouTube einstellen.

Aufwand: Nicht ganz wenig. Man muss zündende Ideen haben, Transparente oder Plakate für das Denkmal herstellen und anbringen. Für das Anbringen braucht man oft eine Leiter. Da die Verwaltung oder empörte Bürger das Banner bald entfernen werden, ist es mit einer Aktion nicht getan, daher am besten gleich mehrere Applikationen herstellen.

Risiken: Gering, solange Sie die Denkmäler nicht beschädigen. Unter Umständen ein Bußgeld wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses, aber da müssten Sie das Denkmal
schon sehr geschändet haben!

Spaßfaktor: Wie bei allen Aktionsformen, die witzig sind, hoch!