Vorbildliche Geschäfte mit einem Carrotmob belohnen! (Aktion 43)

Anlass: Wie bringt man Einzelhandelsgeschäfte dazu, Gutes zu tun? Beispielsweise Waren verantwortungsloser Firmen aus dem Sortiment zu nehmen? Oder sein Geschäftskonto bei der Deutschen Bank zu kündigen und zu einer ethischen Bank zu wechseln? Man vereinbart mit einem Geschäft entsprechende Taten und belohnt es dann mit einem »Carrotmob«. Dazu lädt man über seine Netzwerke möglichst viele Menschen ein, in diesem Geschäft zu einem bestimmten Zeitpunkt einzukaufen und es so zu belohnen. Dem Geschäft wird gewissermaßen eine Karotte vor die Nase gehalten, damit es in die gewünschte Richtung geht.

Aktion: Suchen Sie sich Geschäfte aus, die ein breites Sortiment auch an Alltagswaren führen – die Carrotmobber sollen ja auch etwas zu kaufen finden. Dort bieten Sie folgenden Deal an: Sie organisieren einen Carrotmob, der eine Werbekampagne mit hoher Glaubwürdigkeit und Aufmerksamkeit (eventuelle Pressemeldungen!) darstellt. Im Gegenzug verpflichtet sich das Geschäft zu bestimmten gemeinwohlfördernden Wirtschaftsweisen, etwa Produkte unverantwortlicher Firmen aus dem Sortiment zu nehmen oder Fairtrade-Produkte hereinzunehmen oder das Geschäftskonto zu einer ethischen Bank zu verlagern. Auch über die Verwendung der Mehreinnahmen sollte gesprochen werden. Man könnte sie in Energiesparmaßnahmen investieren, an NGOs spenden oder in die Preiskalkulation fairer Produkte einfließen lassen. Für den Deal in Frage kommen natürlich auch Geschäfte, die bereits Gemeinwohlförderndes getan haben und nun als Vorbild belohnt werden sollen. Legen Sie mit der Geschäftsleitung einen
Termin fest, zwei bis drei Stunden sollten es schon sein, diese muss sich ja vorbereiten, eventuell mehr Personal und Waren bereithalten. Da solche Deals schwierig einzuklagen
sind, erübrigen sich förmliche Vertragsabschlüsse. Der Handschlag gilt!
Dann kommt der wichtigste Schritt: Informieren Sie Ihren Bekanntenkreis über das vorbildliche bisherige oder künftige Verhalten des Geschäfts, und laden Sie sie ein, dort im angegebenen Zeitraum einzukaufen. Einen kleinen Überblick über das Sortiment beilegen! Zusätzlich sollten Sie die Einladung auch an thematisch betroffene örtliche Organisationen schicken (zu finden auf www.bewegung.taz.de) mit Bitte um Weiterleitung an die Mitglieder; ferner an Organisationen, die inzwischen in einigen Städten Carrotmobs durchführen (in die Internetsuchmaschinen »Carrotmob« und den Ortsnamen eingeben).
Die erzielten Mehreinnahmen sind erfreulich, aber Sie sollten mehr aus der Aktion machen. Die Carrotmobber sollten eine Weile im Geschäft oder davor bleiben, damit
die Aktion auffällt. Getränke auszuschenken trägt dazu bei. Mit einem Megaphon könnten Sie Passanten und Nachbarn aufmerksam machen: »Wir kaufen bei XY ein, weil …«. Und natürlich schicken Sie nach geglückter Aktion eine Pressemitteilung samt Bild an die örtlichen Medien, damit andere Geschäfte neidisch werden. Näheres zur Vorbereitung und Durchführung eines Carrotmob in fünf Schritten unter www.carrotmob-akademie.de; die in München ansässige Carrotmob-Akademie bietet kostenlose Beratung an.

Wirkung: Auch wenn das Geschäft eventuell zusätzliches Personal und mehr Ware besorgen muss und die Mehreinnahmen nicht genau kalkulierbar sind (Anhaltspunkt: Bei
einem erfolgreichen Carrotmob in einem Berliner Kiosk wurden an einem Tag circa 4 000 Euro erzielt), werden sich viele Geschäfte angesichts des Werbeeffekts einem Versuch nicht verschließen. Selbst wenn nicht Hunderte, sondern nur zehn Leute zum Carrotmob kommen, motivieren sie das Geschäft, auf dem eingeschlagenen Weg fortzufahren. Vielleicht werden andere Geschäfte animiert, ebenfalls verantwortungsbewusster zu wirtschaften und so in den Genuss eines Carrotmobs zu kommen.

Aufwand: Es gibt einiges zu tun. Sie sollten Mitstreiter finden und sich von eventuell existierenden örtlichen Carrotmob-Organisationen helfen lassen.

Risiken: Keine. Falls die Aktion ein Schlag ins Wasser wird und nur wenige Mehrkunden erscheinen, ist auch nichts verloren.

Spaßfaktor: Spannung, wer kommen wird, und freudige Überraschungen! Nach erfolgreicher Aktion wird man Sie im Geschäft als Ehrenkunde behandeln.